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Seedrohnen aus Flensburg: Mit der „Seetaube“ gegen Russlands Schattenflotte

Frankfurter Allgemeine Zeitung ·
Seedrohnen aus Flensburg: Mit der „Seetaube“ gegen Russlands Schattenflotte

Noch ist es nicht mehr als eine Absichtserklärung, aber sie bringt Deutschland näher an den Einsatz von Seedrohnen: Das Verteidigungsunternehmen Stark Defence aus Berlin hat die Flensburger Shipyard als Produktionspartner gewonnen. „Damit schaffen wir die industrielle Basis, um unbemannte Seesysteme in der nötigen Stückzahl in Deutschland zu fertigen und einen Beitrag zum Schutz deutscher Gewässer zu leisten“, ordnet Max Berger, Director Maritime bei Stark, die Kooperation ein.

Unbemannte Überwassersysteme (auch USV genannt als Abkürzung für „Unmanned Surface Vessels“) gewinnen zunehmend an Bedeutung, gerade im Kampf gegen die russische Schattenflotte sowie mit Blick auf die zunehmende hybride Kriegsführung in Nord- und Ostsee etwa durch Spionage, Sabotage an kritischer Infrastruktur oder Störungen der Ortungssysteme. Die dafür notwendigen Fähigkeiten in der maritimen Aufklärung und im Schutz entsprechender Infrastruktur will Stark zur Verfügung stellen, produziert wird in Deutschland.

Was vorstellbar ist, hat die Bundeswehr vor wenigen Tagen gezeigt, als sie von Stark ein erstes USV mit dem Namen „Seetaube“ in Empfang nahm. Intelligente Sensorik soll selbst bei Wellengang die Richtung von Signalquellen bestimmen – und diese Daten würden sicher und direkt an das Bedienterminal übertragen, heißt es in einer Mitteilung der Bundeswehr. Dabei operiere das System auf der Basis von vorgeplanten Operationen autonom, werde aber von Menschen überwacht, die bei Bedarf eingreifen könnten. Eine Annäherung Dritter werde durch Warnsysteme und autonome Maßnahmen verhindert.

Das „Innovationsprojekt“, wie die Bundeswehr die „Seetaube“ charakterisiert, basiert auf der Stark-Plattform „Vanta“. Ob in Flensburg genau dieses USV gebaut werden soll und in welcher Stückzahl das womöglich geschehen könnte, wollte ein Stark-Sprecher auf Anfrage nicht konkretisieren. Grundsätzlich sei aber die Produktion von Seedrohnen unterschiedlicher Größe und für verschiedenartige Einsatzszenarien geplant. Von kleinen Modellen könne Stark mehrere Hundert im Jahr bauen; bei größeren Modellen gehe man eher von einigen Dutzend im Jahr aus, weil dann die Produktion schiffbaulich aufwendiger sei.

Anlässlich der Nationalen Maritimen Konferenz Ende April hatte Stark in Emden ein Vanta 6 genanntes Boot gezeigt, das prinzipiell auch im zivilen Bereich eingesetzt werden könnte, etwa durch die Wasserschutzpolizei. Mit einer Länge von sechs Metern ist es zwei Meter länger als das kleinere Modell Vanta 4. Nach F.A.Z.-Informationen sollen in Flensburg künftig auch neue, größere Modelle der Vanta-Reihe gefertigt werden können. Das Entwicklungstempo ist hoch. Stark hat die Vanta-Boote erstmals vor einem Jahr bei der NATO-Übung Repmus in Portugal öffentlich präsentiert und seitdem weiterentwickelt. Die eigentliche Bootstechnik hat Stark durch die Übernahme eines britischen Bootsbauers erlangt.

Eine rasante Entwicklung für ein Unternehmen, das gerade einmal zweieinhalb Jahre alt ist. Gegründet wurde es für die Entwicklung von Angriffsdrohnen für die Bundeswehr.

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