Sachsen-Anhalt - Wurde einer Seniorin (95) im Heim die Stimme geklaut?
Berlin/Dessau – Ist das ein dreister Versuch von Wahlbetrug vor dem Urnengang in Sachsen-Anhalt? In einem Dessauer Seniorenheim soll eine demente Bewohnerin (95) per Briefwahl abgestimmt haben, ohne dass ihr Bevollmächtigter davon wusste. Der Neffe stellte darauf die Heimleitung zur Rede – und erstattete Strafanzeige gegen Unbekannt.
Klaus-Lothar B. (74), der Neffe der Seniorin, meldete sich mit diesen schweren Vorwürfen bei der „Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (OZ). Demnach lebt seine demente Tante seit vier Jahren in der betreffenden Seniorenresidenz. Erste Bedenken hätten er und seine Frau bereits zur Bundestagswahl gehabt, dann aber im Alltag nicht weiter verfolgt. Als er im Vorfeld der Landtagswahl das Pflegepersonal auf die Wahlunterlagen seiner Tante ansprach, sei er erneut auf „Ungereimtheiten“ gestoßen – und ging der Sache diesmal ganz genau nach.
So soll der skandalöse Fall abgelaufen sein: Am 27. August fragte Klaus-Lothar B. den Geschäftsführer der Einrichtung nach den Wahlunterlagen seiner Tante. Am Tag darauf habe ihn eine Mitarbeiterin angerufen und beteuert, die Wahlunterlagen der Bewohner für die Wahl in Sachsen-Anhalt „aus Zeitmangel“ eingesammelt und geschreddert zu haben, so der Neffe. Das erschien ihm ungewöhnlich, denn sonst bekäme er jeden Brief, jedes Dokument, sogar die Werbung für seine Tante, und werde über alles, was sie braucht, genau informiert.
Der Vorgang ließ Klaus-Lothar B. nicht los! Am 31. August fragte er im örtlichen Wahlbüro nach, wo ihm „zwei junge Männer“ versicherten, dass die Wahlunterlagen seiner Tante am 10. August beantragt worden seien. Der Schock: Die Tante hatte bereits gewählt. Die Mitarbeiter hätten ihm daraufhin sogar den Antrag mit der „krakeligen“ Unterschrift seiner Tante gezeigt.
Wen oder was sie gewählt habe, dazu hätten die Mitarbeiter der Stadt aus Datenschutzgründen keine Angabe gemacht. „Für mich ist das ein Skandal“, sagt der Neffe sauer. Über seinen Anwalt hat er daraufhin Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt, die der „OZ“ vorliegt. Das beschuldigte Seniorenheim ließ eine Anfrage der Zeitung unbeantwortet, wollte sich auch auf telefonische Nachfrage nicht äußern. Die Stadt bestätigte dagegen, dass der Vorfall bekannt sei. Mehr wollte man allerdings nicht sagen.
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) griff das Thema auf, sprach in einem Clip unter dem Titel „Erster Fall von Wahlfälschung in Sachsen-Anhalt?“ von einem „riesengroßen Skandal“. Und: Wer wisse schon, für wie viele solcher Fälle der Vorgang stellvertretend stehe. Er ruft seine Anhänger dazu auf, zu prüfen, ob es in den Familien weitere solche Fälle gibt.
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