Rotterdam-Studie: Bei vielen Frauen bleibt Herzinfarkt unerkannt
Herzinfarkte bleiben bei Frauen häufiger unerkannt als bei Männern. Das zeigt aktuell die Rotterdam-Studie – eine Studie des Erasmus Medical Centers in Rotterdam. Demnach ist die Zahl der unerkannten Herzinfarkte bei Frauen mit 52,2 Prozent deutlich höher als jene der Männer (25, 5 Prozent). Diese Relation besteht bereits seit den 1990ern.
Gründe dafür sind laut den Forschern unter anderem die häufig atypische Symptomatik bei Frauen und vermutlich auch die Tendenz, diese Beschwerden nicht mit Herzerkrankungen in Verbindung zu bringen.
Häufig werden Symptome bei Frauen fehlgedeutet. Das führt dazu, dass Frauen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen häufig deutlich später in die Klinik eingeliefert werden als Männer. Frauen sollten deshalb besonders achtsam bei bestimmten Symptomen sein.
Als wichtigste Warnzeichen für einen Herzinfarkt bei Frauen nennt die Deutsche Herzstiftung folgende:
Außerdem sollten Frauen laut Ärztinnen und Ärzten des Deutschen Herzzentrums der Charité (DHZC) viel besser über die speziellen Risiken für Herzkreislauferkrankungen aufgeklärt werden. Als Risikofaktoren seien vielen Menschen meist nur
bekannt, sagte Kardiologin Julia Lueg von der DHZC-Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Charité Campus Mitte. Allerdings: „Bei Frauen gibt es einfach noch viele andere Risikofaktoren.“ Die wenigsten wüssten das.
führten zu einem langfristig erhöhten Risiko für eine Herzkreislauferkrankung. Als Beispiel nannte Lueg Schwangerschaftsbluthochdruck.
Wenn Ärztinnen und Ärzte, aber auch Frauen selbst, diese Punkte nicht im Hinterkopf hätten, würden Erkrankungen zum Teil zu spät erkannt, mahnte Lueg. Es brauche gute Vorsorgekampagnen, vor allem aber müssten die Patientinnen ins Boot geholt und langfristig untersucht werden.
„Dieser Moment, in dem Frauen in einer Schwangerschaft ans Gesundheitssystem andocken, den müssen wir nutzen“, sagte Lueg. Denn zum Frauenarzt müsse jede Frau, wenn sie schwanger werde.
Das sei der Moment, um die Frauen ausführlich zu untersuchen und über Risiken aufzuklären. Für eine langfristige und interdisziplinäre Versorgung fehlt laut DHZC leider vielerorts noch die Infrastruktur.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind sowohl bei Männern als auch bei Frauen in Deutschland die häufigste Todesursache. Nach aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamtes sterben jährlich mehr als 178.000 Frauen daran.
„Herzerkrankungen und ihre Komplikationen wie der Herzinfarkt können in der Symptomatik und in ihrer Entstehung je nach Geschlecht verschieden sein“, erklärt Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Auf diese Besonderheiten müssen wir Frauen aufmerksam machen und für gezielte Vorsorge-Maßnahmen sensibilisieren“, betont er.
Falls schon kleine Belastungen zu Atemnot führen und Sie früh erschöpft sind: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt und bitten Sie ihn um eine Untersuchung.
Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt sofort den Rettungsdienst unter der Nummer 112 rufen: Lieber einmal zu viel anrufen als zu wenig.
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