Massaker mit sechs Toten in Stade - Schwiegersohn der Fluchtfahrerin befasst sich mit dem Fall
Hannover/Stade – Das Massaker im Mutter-Kind-Heim mit sechs Toten Ende Juni in Stade erschütterte die Republik. Am Donnerstag befasst sich das niedersächsische Parlament mit dem Fall. Innenministerin Daniela Behrens (SPD) will den Innenausschuss über den Ermittlungsstand informieren. Brisant: Im Gremium sitzt auch Deniz Kurku (43, SPD), Schwiegersohn von Sylvia S. (65), die den Fluchtwagen des Sechsfachmörders fuhr!
Gegen die 65-jährige Bremerin ermittelt die Staatsanwaltschaft Stade wegen Beihilfe zum Mord in sechs Fällen. Nach dem Blutbad in einem Besprechungsraum des Heims war sie mit dem Killer Fatih G. (†45) im Mercedes-AMG davongejagt. Polizisten stoppten den Wagen mit Maschinenpistolen-Schüssen auf die Reifen. Während der Türke in U-Haft genommen wurde und sich am 21. Juli mit einem Stück Bettlaken in der Zelle erdrosselte , blieb seine mutmaßliche Komplizin bis heute auf freiem Fuß – mangels dringenden Tatverdachts, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.
Als Ausschuss-Mitglied erhält Kurku , der auch Integrationsbeauftragter des Landes Niedersachsen ist, womöglich auch vertrauliche Informationen aus den Ermittlungen, die gegebenenfalls in einem nicht öffentlichen Teil der Sitzung mitgeteilt werden. BILD fragte Landtagspräsidentin Hanna Naber (SPD): Muss er als Schwiegersohn dann die Sitzung verlassen? Ihr Sprecher David-Leon Rosenblatt: „Soweit in der Sitzung vertrauliche Informationen an die Abgeordneten weitergegeben werden sollen, erklärt der Ausschuss die Sitzung nach Geschäftsordnung für vertraulich. Mitteilungen der anwesenden Abgeordneten über die Inhalte der Sitzung an Dritte sind in diesen Fällen grundsätzlich nicht zulässig.“ Heißt: Er kann teilnehmen, müsste aber Stillschweigen bewahren.
Wie BILD den Ermittlungsakten der Mordkommission „Stethu“ (benannt nach der Betreiber-GmbH der Mutter-Kind-Einrichtung) entnehmen konnte, hatte sie nicht nur kurz vor der Tat den Mercedes des Killers auf sich ummelden lassen, sondern auch schon vor vier Jahren einmal einen Wagen von Fatih G. auf sich zugelassen – weil er untertauchen wollte? Bekannt ist, dass der wegen Missbrauchsvorwürfen in der Türkei Gesuchte sich im November 2022 vom Ausländeramt in Braunschweig abgemeldet hatte. Ermittler gehen davon aus, dass zwischen den beiden ein langjähriges, tiefes Vertrauensverhältnis bestand.
Fatih G.s Motiv für das Blutbad: Rache. Das Jugendamt hatte ihm das Sorgerecht für seine Tochter (heute fünf Monate alt) entzogen, weil er das Baby durch Schütteln misshandelt und schwer verletzt haben soll. Wusste Sylvia S. von seinem Mordplan? Ungewöhnlich: Bei der späteren Durchsuchung ihrer Wohnung fanden die Beamten drei Mobiltelefone sowie eine einzelne SIM-Karte in einem Zip-Beutel – ein Indiz für konspiratives Verhalten?
Und: Vor dem Verbrechen war sie laut Zeugen vor dem Heim nervös auf und abgegangen. Nachdem Fatih G. die drei Heim-Mitarbeiter sowie drei Vertreter des Jugendamts (24–54 Jahre alt) größtenteils mit Kopfschüssen hingerichtet haben soll, war er Zeugen zufolge rauchend zum Mercedes gegangen. Eine Nachbarin filmte die Szene, als Fatih G.
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