Trichotillomanie - Ursachen, Behandlung und Folgen
Beim einen Betroffenen sind es einzelne Haare, bei anderen ganze Strähnen - Menschen mit Trichotillomanie reißen sich bewusst oder unbewusst die Haare aus. Oft sind Regionen wie der Kopf, die Augenbrauen oder Wimpern betroffen, jedoch können Haare an allen Körperregionen ausgerissen werden. Die bevorzugte Stelle kann sich auch mit der Zeit ändern.
Trichotillomanie kommt aus dem Griechischen: "tricha" bedeutet Haare, "tillein" heißt übersetzt Rupfen und "mania" Wahnsinn. Klassifiziert wird die Trichotillomanie nach ICD-10 (Diagnoseschlüssel der WHO, 10. Fassung) als Impulskontrollstörung (F63.3) . Im ICD-11 ist sie unter "Zwangsstörung oder verwandte Störungen" gelistet. Schätzungsweise sind bis zu vier Prozent der Bevölkerung betroffen, davon etwas mehr Frauen als Männer. Aufgrund der großen Dunkelziffer ist es jedoch schwierig, die genaue Anzahl an Fällen festzustellen. Meist fängt die Störung im Alter von elf bis 13 Jahren an.
Betroffene sprechen oft von einem Gefühl der Entspannung durch das Ausreißen der Haare. Das Zupfen kann dabei an Rituale geknüpft sein. Dazu zählt zum Beispiel die Suche nach bestimmten Haaren, um diese auszuzupfen, oder das Haar auf eine bestimmte Art zu ziehen. Auf das Haare ausreißen folgen manchmal noch weitere Handlungen, wie das Berühren der Lippen, das Kauen oder das Schlucken der Haare (Trichophagie).
Im Anschluss empfinden Betroffene Scham und Reue. Besonders beim Ausreißen der Haare am Kopf können die Folgen des Verhaltens mit der Zeit schlechter versteckt werden. Abhängig vom individuellen Vorgehen kommt es zu kahlen Stellen oder ausgedünnten Haaren. Einige Betroffene greifen auf Kopfbedeckungen zurück, um den Haarverlust zu verstecken. In manchen Fällen führt die Scham zu sozialem Rückzug.
Das Verhalten bei Trichotillomanie ist meist auf den eigenen Körper bezogen. Jedoch ziehen manche Betroffene auch die Haare anderer vertrauter Personen, von Tieren oder lose Fäden von Stoffen.
Es gibt keine laborchemischen oder biologischen Tests für Trichotillomanie. In einem psychotherapeutischen Gespräch wird stattdessen über die alltägliche Beeinträchtigung durch das Verhalten und den Leidensdruck gesprochen, um eine Diagnose zu stellen.
Es gibt verschiedene Auslöser für eine Trichotillomanie. Allerdings: Sorgen oder Obsessionen über das eigene Aussehen, wie oft angenommen, sind meistens keine Ursache für die Zwangsstörung. Zu den typischen auslösenden Faktoren gehören Stress , Traumata oder belastende Ereignisse. Außerdem kann auch die Persönlichkeit einer Person einen Einfluss haben: Menschen, denen es schwer fällt Gefühle wahrzunehmen und/oder auszudrücken, kann das Ausreißen der Haare als ein Ventil zur Stressbewältigung dienen.
In verschiedenen Studien fanden Forschende Hinweise auf eine mögliche genetische Veranlagung für Trichotillomanie. Jedoch können hierzu noch keine definitiven Aussagen gemacht werden.
In vielen Fällen tritt Trichotillomanie zusammen mit anderen psychischen Erkrankungen auf. Dazu zählen Depressionen , Obsessive-Compulsive Disorder (OCD), Angststörungen oder Süchte .
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