Forderung der AfD: Wie geht Heimunterricht in Österreich?
Forderung der AfD Wie geht Heimunterricht in Österreich? Stand: 03.09.2026 • 07:01 Uhr
Bildungspflicht statt Schulpflicht ist eine zentrale Forderung der AfD vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Als Vorbild nennt die Partei Österreich. Wie funktioniert der "häusliche Unterricht" dort?
Jemima wird von ihrer Mutter nochmal in den Arm genommen. Die beiden stehen vor einem gelben Schulbau in Wiener Neustadt. Es geht zur staatlichen Externistenprüfung - der jährliche Test für Kinder in Österreich, die zuhause unterrichtet werden.
Gleich wird sich zeigen, ob das Lernen am heimischen Wohnzimmertisch ausgereicht hat, um die siebte Klasse zu bestehen. Der komplette Jahresstoff wird geprüft, immer vor den Sommerferien. Etwa jeder fünfte Prüfling fällt durch oder tritt erst gar nicht an. Bei Jemimas Vorgängerin lief es schlecht. Die beiden Mädchen umarmen sich, dann betritt Jemima die Mittelschule, in der die Prüfung abgenommen wird - Englisch ist an der Reihe.
"Ich stehe meistens um sechs Uhr auf. Dann mache ist Sport oder ich lese in der Bibel. Dann machen wir als Familie Frühstück. Und dann kommt eigentlich ein ganz normaler Schultag", sagt Jemima.
Sich selbst organisieren, in ihrem Tempo lernen, das gefällt ihr am häuslichen Unterricht. Zudem ermöglicht der Heimunterricht, flexibel zu verreisen. Es ist ein Grund, warum die Familie von Deutschland nach Österreich gezogen ist, wo Heimunterricht erlaubt ist.
Das Unterrichtsmaterial muss die Familie allerdings selbst besorgen. Auf Messenger-Diensten tauschen sich Familien, die sich für den häuslichen Unterricht entschieden haben, darüber aus. "Das ist ja in England, in den USA das Normalste der Welt", sagt Jemimas Mutter. "Da ist Deutschland vielleicht ein bisschen ein Nachzügler."
Die AfD will die Schulpflicht durch eine "Bildungspflicht" ersetzen. Verbände sehen den Vorschlag kritisch mehr
Tatsächlich ist häuslicher Unterricht in vielen Ländern grundsätzlich möglich, anders als in Deutschland. Und für manche Kinder würde dieses Modell durchaus Sinn machen, glauben Bildungsforscherinnen wie Barbara Schule von der Universität Wien. Etwa für für Mobbingopfer oder bei schwerem ADHS oder Autismus.
Darüber hinaus sieht sie Heimunterricht aber eher kritisch: "Wir wissen ja, Kinder können sich eigentlich nur in Gemeinschaft entwickeln. Wir sind soziale Wesen als Menschen, und all diese Dinge würden ihnen ja dann weggenommen, zum Beispiel mit wem sie befreundet sein wollen. Und das ist auch eine Erfahrung, die wichtig ist in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen."
Jemima sagt, dass ihr Klassenkameraden nicht fehlen würden: "Weil ich mich ja auch in meiner Freizeit mit anderen treffen kann. Ich gehe auch in den Chor und zum Reiten, also habe ich einen sozialen Ausgleich."
In Österreich wurden zuletzt rund 4.000 Kinder für den häuslichen Unterricht angemeldet. Rund ein Viertel davon bricht den Heimunterricht aber im Lauf des Jahres ab, schreibt das österreichische Bildungsministerium.
Jemima betont, dass sie sehr selbstständig lernt. Aber natürlich wird auch sie von ihrer Mutter unterstützt.
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