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Kühler Kopf in Monza: Kimi Antonelli will "kein übermäßig aufgeregter" Italiener sein

n-tv ·
Kühler Kopf in Monza: Kimi Antonelli will "kein übermäßig aufgeregter" Italiener sein

Für Ralf Schumacher ist die Sache klar. "Irgendwann wird Kimi auch in seiner Karriere im Ferrari sitzen, wenn er weiter so fährt, da bin ich mir sicher", sagte der Formel-1-Experte im Sky-Podcast "Backstage Boxengasse". Bevor es aber soweit ist, wird Kimi Antonelli erst einmal Weltmeister, wenn er so weiterfährt wie im bisherigen Verlauf der Saison. Vor seinem Heimspiel in Monza (das Qualifying bei RTL und Sky, das Rennen bei Sky) führt der 20-Jährige die Fahrer-Wertung mit 59 Punkten an.

Seit dem legendären Alberto Ascari 1953 (!) hat kein Italiener mehr die Formel-1-Krone erobert. Die Motorsport-Supermacht Italien hat diese geradezu groteske Dauerdürre ertragen, dank des nationalen Mythos Ferrari, dank Niki Lauda, dank Michael Schumacher. Weniger gut leben die Italiener damit, dass die letzten Ferrari-Triumphe inzwischen fast so lange zurückliegen wie Antonelli alt ist: 2007 gewann Kimi Räikkönen die Fahrer-WM, ein Jahr später holte die Scuderia den Hersteller-Titel. Danach triumphierten andere: Red Bull, Mercedes, auch McLaren schaffte nach vielen mageren Jahren ein Comeback.

2026 ist es so, dass in Antonelli ausgerechnet ein Italiener mit dem deutschen Mercedes-Stern den Roten davonfährt und die Wartezeit auf einen Ferrari-Titel sehr wahrscheinlich mindestens um ein Jahr verlängern wird. Jubeln würden die Tifosi trotzdem. Auch wenn sie längst von der noch viel schöneren Konstellation träumen. Kimi im Ferrari. Ein Italiener im roten Auto ganz oben in Monza, eines Tages Weltmeister. "Dann müsste Monza wahrscheinlich komplett renoviert werden. Er ist Everybody's Darling", so Schumacher.

Antonelli lassen die Gedankenspiele kalt - zumindest nach außen. "Als Italiener weiß ich selbst, wie emotional wir werden, manchmal übermäßig aufgeregt. Es wird immer diese Art von Gerüchten geben. Ich muss damit leben", sagte er nach seiner Ankunft in Monza. Er sei zufrieden, "wo ich bin. Mercedes hat mir die Chance gegeben, als ich noch ein Kind war", verwies er auf seine motorsportliche Ausbildung in der Nachwuchsakademie der Silberpfeile.

Emozioni? Antonelli sperrt sie vor dem Grand-Prix-Wochenende auf heimischen Terrain aus. Die Tifosi - die immer zuerst Ferrari die Daumen drücken - müssen wohl ohnehin auf ihr Springendes Pferdchen setzen. Der WM-Leader wird vom letzten Platz starten, wenn am Rennsonntag die Ampel erlischt. Wegen eines unerlaubten Motorwechsels kassiert Antonelli eine entsprechende Strafe. Eine Entscheidung des Kopfes, für die WM, gegen das Rennfahrer-Herz, das im Autodromo Nazionale den Sieg begehrt. Früher oder später hätte das Triebwerk ohnehin gewechselt werden müssen. Dann lieber in Monza, wo Überholen einfacher ist als andernorts.

"In unserem Sport werden keine Sentimentalitäten belohnt", kommentierte Mercedes-Teamchef Toto Wolff die miese Ausgangslage seines Schützlings kühl: "Unsere Berechnungen haben ergeben, dass dies die beste Strecke dafür ist. Natürlich berücksichtigen Algorithmen die Nationalität nicht. Aber wir kämpfen hier um die Meisterschaft, und nicht darum, die meiste PR zu bekommen." Bei Mercedes und Antonelli herrscht bereits die WM-Ratio.

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