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Sardinen: Laut Harvard-Forscher Nick Norwitz sind sie „natürliche Proteinriegel und Multivitaminpräparat in einem”

Focus Online Gesundheit ·
Sardinen: Laut Harvard-Forscher Nick Norwitz sind sie „natürliche Proteinriegel und Multivitaminpräparat in einem”

Sardinen in Dosen waren lange das, was man Notproviant nennt: praktisch, günstig, eiweißreich – aber wenig glamourös. Doch was jahrzehntelang in Vorratskammern verstaubte, gilt heute als Delikatesse in Spitzenrestaurants. In sozialen Netzwerken avancierten sie zeitweise sogar zum viralen Trend – #Sardinesummer. Die Nachfrage ist stark gestiegen – und trifft mittlerweile auf ein schrumpfendes Angebot: Vor Marokko sind die Fangmengen eingebrochen, das Land hat den Export weitgehend gestoppt. Bei Aldi, Lidl und anderen Lebensmittelketten stehen Kunden derzeit regelmäßig vor leeren Regalen.

Was den Hype trägt, ist vor allem die Idee vom schlichten, gesunden Leben – befeuert durch den Ruf der Sardine als Superfood. Denn die kleinen Fische sind ein kompaktes Nährstoffpaket – reich an Omega-3 , Eiweiß und Mineralstoffen.

Wie weit sich dieser Kult treiben lässt, zeigt ein Selbstexperimt von Harvard-Forscher Nick Norwitz: Er lebte einen Monat lang fast nur von Sardinen, einem „natürlichen Proteinriegel und Multivitaminpräparat in einem“, wie er sagt. Was das mit seinem Stoffwechsel, seiner Fett- und Muskelmasse und den Blutwerten machte, hat er in einem YouTube-Video dokumentiert – genauso wie die erstaunlichen Nebenwirkungen.

Norwitz' Ansatz war recht simpel: Für 30 Tage aß er täglich 100 Gramm Sardinen pro 50 Pfund (etwas über 20 Kilogramm) Körpergewicht. Zusätzlich trank er Wasser und ergänzte die etwas einseitige Ernährung mit Elektrolyten. In der Ernährungsszene ist das bekannt als Sardinen-Fasten. Fans erhoffen sich davon die Vorteile des klassischen Fastens, ohne aber dabei Muskelmasse zu verlieren. Denn durch die Sardinen bekomme der Organismus genügend essenzielle Aminosäuren und Mikronährstoffe, um Muskelabbau zu begrenzen – bleibe aber hormonell in einem Zustand, der Prozesse wie Autophagie, den zellulären „Recyclingmechanismus“, aktiviert.

Bereits in der ersten Woche verlor Norwitz tatsächlich nach eigener Aussage fast drei Kilogramm Körpergewicht, ohne an Kraft einzubüßen. „Ich fühle mich großartig, energiegeladen, stark und während des Trainings wirklich leicht. Außerdem fühle ich mich ziemlich gut in Form“, beschreibt er die erste Woche.

Doch das Experiment brauchte schnell eine Korrektur. Gegen Ende der ersten Woche merkte Norwitz, dass seine Leistungsfähigkeit drastisch nachließ. Die vermutete Ursache: Die Diät lieferte zwar Protein und Omega-3-Fettsäuren, aber zu wenig Gesamtfett. Erst als er begann, seine Mahlzeiten mit einigen Teelöffeln Olivenöl, etwas Kokosöl oder MCT-Öl (Extrakt aus Kokosöl) zu ergänzen, stabilisierte sich sein Energielevel spürbar.

Deswegen warnt er Personen mit ohnehin geringem Körperfettanteil davor, das Experiment ohne zusätzliche Fette durchzuführen. Der Körper signalisiere dann: "Hey, hör zu. Ignoriere die Internet-Influencer. Du hast bereits wenig Energiereserven und gespeichertes Fett, und evolutionär gesehen ist das nicht gut." Das schade mehr als dass es nütze.

Nicholas Norwitz hat zu Stoffwechselwissenschaften an der Universität Oxford promoviert und hat Medizin an der Harvard Medical School studiert. Auf YouTube teilt er extreme Selbstexperimente .

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