Frauen in der NSDAP - Gehörte auch Oma der Nazi-Partei an?
Berlin – Hitlers Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) war von Männern dominiert. Doch je länger die Nazis an der Macht waren, umso mehr Frauen traten in die Partei ein. 1944 erreichte die Eintrittsquote den Spitzenwert – knapp 38 Prozent der neu Aufgenommenen waren weiblich. Ob auch die eigene Oma oder Urgroßmutter in der NSDAP war, kann man jetzt ganz einfach über das neue BILD-Portal selbst recherchieren. Dort werden die 12,7 Millionen digitalisierten Karten der NSDAP-Mitgliederkartei in Sekundenschnelle durchsucht. Fass mir den Artikel zusammen
Sie arbeiteten als Verkäuferinnen, Sekretärinnen oder Bürokräfte. Andere waren Hausfrauen, Bäuerinnen oder junge Abgängerinnen des „Bundes Deutscher Mädel“. Auch Frauen traten folglich der NSDAP bei und halfen, Hitlers Diktatur zu tragen. Wie viele es waren und woher sie kamen, untersuchte der Politikwissenschaftler Jürgen W. Falter (82) für sein Buch „Hitlers Parteigenossen“. Grundlage ist eine Stichprobe von mehr als 50.000 NSDAP-Neumitgliedern aus den Jahren 1925 bis 1945. Geschätzt etwa 1,4 Millionen Eintragungen auf der NSDAP-Mitgliederkartei sind von Frauen.
Relativ häufig hatten Frauen, die in die Hitler-Partei eintraten, typische Angestelltenberufe: Verkäuferinnen, Stenotypistinnen, Bürogehilfinnen, Sekretärinnen und Sprechstundenhilfen. Falter schreibt: „Jede fünfte Frau, die sich zwischen 1925 und 1945 der Partei anschloss, war eine Angestellte, während bei den männlichen Neumitgliedern nur jedes siebte ein Angestellter war.“
Besonders hohe Frauenanteile unter den NSDAP-Neumitgliedern errechnet Falter für das Wartheland, Österreich , Danzig, das Sudetenland und Wien. Vergleichsweise niedrig waren die Anteile im Saargebiet sowie in west- und südwestdeutschen Gauen wie Pfalz, Schwaben, Baden und den westfälischen Gauen.
Von 1925 bis September 1930 lag der Anteil der Frauen bei den neu eingetretenen Mitgliedern laut Falter bei 6 Prozent und stieg danach bis zur Machtergreifung der Nazis auf acht Prozent an und sackte dann wieder etwas ab. Einen deutlichen Anstieg gab es zwischen April 1937 und April 1939 mit 11 Prozent Frauen unter den Neueintritten. Mit Beginn des Krieges 1939 stieg der Frauenanteil in der NSDAP steil an. Von 1939 bis Anfang 1942 waren es bereits 19 Prozent. Zwischen Februar 1942 und Mai 1945 erreichte der Anteil 33 Prozent. Im einzelnen Beitrittsjahr 1944 waren 38 Prozent der neu Aufgenommenen Frauen.
Während des Zweiten Weltkriegs fehlten Millionen Männer in Deutschland, weil sie als Soldaten an der Front waren. Frauen arbeiteten nun verstärkt in den Berufen der Männer in Fabriken, in der Landwirtschaft und in Handwerksbetrieben. Falter vermutet, dass die Übernahme traditioneller Männerrollen während des Krieges das Selbstverständnis vieler Frauen veränderte und so auch ihre Bereitschaft zur politischen Beteiligung erhöhte. Möglich auch, dass Frauen im Krieg teilweise stellvertretend für ihre Männer, die als Soldaten nicht Parteimitglied werden durften, der Partei beitraten.
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