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Estland als Testlabor für neue synthetische Drogen

Tagesschau (ARD) ·
Estland als Testlabor für neue synthetische Drogen

Europamagazin Synthetische Opioide Estland als Testlabor für neue Drogen Stand: 29.08.2026 • 11:37 Uhr

Estland ist zu einer Art Testmarkt für synthetische Drogen geworden. Das Land hat die höchste Zahl von Drogentoten pro Einwohner in der EU. Dabei war es eigentlich besonders erfolgreich im Kampf gegen illegale Opioide.

"Dieses Cychlorphin haut dich einfach um", sagt Julia auf einer Parkbank am Stadtrand von Tallinn. Die 34-Jährige hat eine lange Drogenkarriere hinter sich: Heroin, Fentanyl, Amphetamin und zuletzt Nitanze und Cychlorphin.

Es sind Stoffe, die Drogenexperten weltweit gerade alarmieren. Denn sie sind hundertfach wirksamer als das natürlich hergestellte Heroin. Schon eine winzige Überdosis kann tödlich sein. In Estland dominieren diese synthetischen Opioide fast vollständig den Drogenmarkt und haben Heroin praktisch verdrängt.

Mart Kalvet, der für Lunest arbeitet, eine Interessenvertretung der Drogensüchtigen in Estland, beschreibt die Situation so: "Wir sind seit ein paar Jahren zu einer Art Testmarkt für synthetische Opioide geworden." Dahinter vermutet er kriminelle Netzwerke. Das größte Problem sei, dass die Leute häufig nicht wüssten, was sie konsumieren: "Das Zeug sieht immer gleich aus. Aber du siehst nicht, welche Moleküle da drinstecken." Auch deshalb spitzt sich die Krise zu.

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Dabei hat Estland eigentlich eine Erfolgsgeschichte im Kampf gegen Drogen zu erzählen. Der baltische Staat war eines der Länder, in dem sich Fentanyl vor mehr als 20 Jahren verbreitete - lange bevor das ursprüngliche Schmerzmittel in den USA zu einer Massendroge wurde. Nach nur wenigen Jahren wurde der gesamte Drogenmarkt von Fentanyl bestimmt.

Dann schlug die estnische Polizei zu und legte den kriminellen Netzwerken das Handwerk. Der Erfolg stellte sich ein: Die Zahl der Drogentoten ging bis 2018 um mehr als 50 Prozent zurück.

"Wir dachten, wir hätten die Krise bewältigt", sagt Rait Pikaro von der Kriminalpolizei in Tallinn heute. Die Zahl der Toten im Zusammenhang mit Fentanyl erreichte einen Tiefpunkt. Aber der Erfolg war nicht von Dauer. Schon wenige Jahre später tauchten in Estland neue Stoffe auf.

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Zuerst Nitazen, dann Cychlorphin. Beides sind synthetische Opioide, deren Grundsubstanzen aus der Arzneimittelindustrie stammen. Sie lassen sich in mobilen Laboren zusammenmischen. Für diese Drogenküchen gebe es keine geographischen Grenzen mehr, klagt Rait Pikaro. "Die Zutaten kommen aus Asien oder anderen Ländern. Aber dann werden die Stoffe irgendwo gemixt und aufbereitet. Es ist eine ständige Jagd nach diesen Laboren."

Aktuell kann die estnische Polizei keine größeren Ermittlungserfolge vorweisen. Aber sie wissen: Eine der vielen Spuren führt ins Nachbarland Lettland. Das erklärt der Kripochef im Interview mit der ARD .

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