Star-Filmer Jon Favreau: „Die Natur ist manchmal ein grausamer Regisseur“
Als Regisseur von „Der König der Löwen“ oder „The Mandalorian“ erschuf Jon Favreau digitale Welten.
Mit der Serie „Lions“ wagt er sich auf völliges Neuland: die echte Natur.
Herr Favreau , Sie haben Disney-Figuren aus „Der König der Löwen“ oder „Das Dschungelbuch“ mithilfe digitaler Technik so realistisch umgesetzt, als wären sie von echten Tieren gespielt worden.
Jon Favreau: Diese Wirkung von Authentizität war damals nur möglich, weil wir uns sehr genau damit beschäftigt haben, wie diese Tiere in der wirklichen Wildnis leben und sich verhalten.
Um etwas überzeugend nachzuahmen, muss man das Original genau studieren.
Nun also eine aufwendige Dokumentation über ein tatsächlich existierendes Löwenrudel.
Haben Sie manchmal verflucht, gegen Ihre eigenen digitalen Versionen des sprechenden Löwenbabys Simba oder des Bären Balu antreten zu müssen? Favreau: Gut erkannt! Wir mussten uns völlig davon lösen, Tiere mit menschlichen Eigenschaften oder Ausdrucksformen zu versehen.
Und uns von Anfang an darüber klar werden, welche Herangehensweise wir bei „Lions“ wählen: nämlich uns dazu zu verpflichten, auf jegliche digitale Manipulation zu verzichten.
Die Realität ist hart und oft nicht so schön, wie es die künstliche Intelligenz gern hätte.
Man kann sagen, die Natur ist manchmal ein grausamer Regisseur.
Was war aufwendiger: die Tierwelt digital zu simulieren oder jetzt die Realität in dieser Qualität zu filmen? Favreau: Zu glauben, dass man in der wirklichen Natur alles gratis bekommt, wäre falsch.
Für „ Der König der Löwen “ mussten wir viele Monate arbeiten, um beispielsweise einen bestimmten Wasserfall realistisch zu erzeugen.
In der Natur hingegen braucht es jahrelange Erfahrung, um zu wissen, wann man einen Sonnenaufgang am besten einfängt und seine besondere Stimmung auf Film bekommt.
Das Nervenzehrende an „Lions“ war eher, dass wir keine Kontrolle hatten.
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