Hype um Humanoide Roboter: Roboterbauer Unitree legt fulminantes Börsendebüt hin
Für Frau Chen war der Börsengang von Unitree ein guter Tag. Die junge Frau, die in Guangzhou einen Haustierladen betreibt, hatte Glück: Sie hat in dem Losverfahren für Privatanleger 500 Aktien des chinesischen Herstellers humanoider Roboter erhalten. Die Aktien waren hart umkämpft und mehr als 8000-fach überzeichnet, die Zuteilungsquote betrug 0,018 Prozent. Frau Chen hat für eine Aktie nur 150,80 Yuan (umgerechnet knapp 20 Euro) gezahlt. 75.400 RMB (knapp 10.000 Euro) hat sie das gekostet. „Ich hoffe auf einen Profit von 200.000 Yuan. Alles über 300.000 würde meine Erwartungen übertreffen“, sagte Frau Chen der F.A.Z. im Vorfeld des Börsengangs. „Ich will eine Hälfte verkaufen, die andere behalten, weil ich recht optimistisch bin in Bezug auf Tech-Aktien und humanoide Roboter.“
Als Unitree, das offiziell als Yushu Technology firmiert, an diesem Mittwoch in Shanghai sein Börsendebüt gab, vervielfachte sich das Investment von Frau Chen. Der Eröffnungskurs betrug 1100 Yuan, mehr als Siebenfache dessen, was die Anleger im Vorfeld bezahlt hatten. Unitree erreichte damit zeitweise eine Bewertung von umgerechnet 57 Milliarden Euro, mehr als jeder deutsche Autohersteller. In der Folge fiel der Kurs am Vormittag chinesischer Zeit auf unter 900 Yuan, also immer noch rund das Sechsfache des Ausgabepreises.
Das Unternehmen aus der Techmetropole Hangzhou in Ostchina ist der wohl bekannteste Hersteller humanoider Roboter in China und darüber hinaus. Die Roboter schlagen spektakuläre Saltos, zeigen Kong-Fu-Einlagen oder boxen und gehen damit immer wieder in den Sozialen Medien viral. Sie sind mehrmals schon auf der alljährlichen Gala des Staatsfernsehens zum chinesischen Neujahrsfest aufgetreten, was das 2016 gegründete Unternehmen bis in die letzten Ecken der Volksrepublik bekannt gemacht hat. Im Februar hatte auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) das Unternehmen besucht. Die Dax-Chefs in seinem Tross waren sichtlich beeindruckt von den tanzenden und boxenden Robotern.
Unitree steht so sehr im Fokus der Pekinger Industriepolitik wie kaum ein anderes Unternehmen. Sogenannte „verkörperte Intelligenz“ ist eine der Schlüsselindustrien des in diesem Jahr verabschiedeten 15. Fünfjahresplans Chinas. Die Ankerinvestoren des Börsengangs stehen für den typischen Mix der chinesischen Technologiepolitik, in der staatliche Investoren und Techunternehmen Hand in Hand arbeiten. Der Techriese Tencent, dem Konzern hinter der chinesischen Super-App Wechat, das ebenfalls aus Hangzhou stammende KI-Unternehmen Deepseek waren dabei. Aber auch der Ölriese China National Petroleum, der Stromnetzbetreiber China Southern Power Grid und der Mobilfunkkonzern China Telecom, allesamt große staatseigene Konzerne, investierten in Unitree.
Frühe Investoren wie der Essenslieferdienst Meituan mit einem Anteil von knapp neun Prozent und der Pekinger Tech-Riese Xiaomi verzeichneten mit dem Börsengang große Buchgewinne.
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