Der "Tatort" im Schnellcheck: Koks, Korruption und Knalleffekte
Was sich mit dem ersten Teil "Unter Freunden" bereits andeutete, kommt im zweiten Teil "Unter Feinden" vollends zu Enfaltung. Nach der Borowski-Rente bleibt beim Kieler "Tatort" kein Stein auf dem andern.
Mit dem Tod von Anna Nowak (Lilith Stangenberg) bekommt der Fall um die ermordete Prometheus-Mitarbeitern Francesca Polidoro (Julia Goldberg) am Ende des ersten Teils eine weitere dramatische Wendung. Der LKA-Beamte Jan Kuper (Sven Schelker) ist vollends als Wolf im Schafspelz enttarnt, zumindest für die Zuschauer. Kommissarin Mila Şahin (Almila Bagriacik) benötigt für die Bestätigung ihres Verdachts jedoch einen Augenzeugen. Als der sich in Gestalt eines kleinen, höchst aufmerksamen Jungen findet, kommen die Dinge ins Rollen. Angetrieben von dem unbedingten Willen, den Mörder ihrer Freundin von der Polizeischule zu finden, versucht Şahin, alle Hebel in Gang zu setzen.
Doch die Gemengelage erweist sich als schwierig. Robert Iwersen (Yorck Dippe) vom Landeskriminalamt hat sich auf den Posten als Dienststellenleiter beworben, hat jedoch alles andere als eine weiße Weste. Angesichts dessen fühlt Kuper sich nahezu unantastbar und die neue Polizeipsychologin Elli Krieger (Karoline Schuch) kommt auch nur langsam aus der Deckung. Angesichts von derlei Verstrickungen geraten die dunklen Machenschaften des Prometheus-Angestellten Franco Steiner (Sascha Geršak) fast in den Hintergrund - bis der Fall schließlich Fahrt aufnimmt und auf einen spektakulären Showdown zusteuert.
Um die Fortsetzung dessen, was in der Vorwoche mit "Unter Freunden", dem ersten Teil dieser Doppelfolge, seinen Anfang nahm: Nach über zwei Jahrzehnten unter dem Kommando von Axel Milberg als Kommissar Borowski schickt die Kieler "Tatort"-Filiale sich an, eine neue Ära einzuleiten. Mit Almila Bagriacik als Mila Şahin wird die Geschichte, was die Hauptpersonalie angeht, konsistent weitergeschrieben, sonst aber sind die Zeiten stiller Gäste, phlegmatischer Gesprächsführung und Altherren-Gedecke vorbei. Im Irish Pub, also dort, wo die Polizei sich nach Dienstschluss trifft, um Pikanterien und Probleme zu bequatschen, läuft "Dirty Old Town" und das muss man wohl wörtlich nehmen - in Kiel hat fast jeder Dreck am Stecken, eine vielversprechende Standortbestimmung für die Zukunft des Reviers hoch oben im Norden.
Nicht vorhanden, dennoch muss die Frage gestellt werden: Wie kommen labile Zeitgenossen und Zeitgenossinnen vom Schlage Kuper, Iwersen und Nowak wohl durch die nötigen Eignungstests? Ist das dramaturgisch bedingt überzogen - oder womöglich realistischer, als man sich ausmalen möchte?
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