Wirtschaftsinstitute korrigieren Wachstumsprognosen nach oben
Herbstprognosen Die Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf Stand: 03.09.2026 • 13:07 Uhr
Es soll wieder bergauf gehen in der Wirtschaft: Mehrere Forschungsinstitute heben ihre Prognose für das aktuelle Jahr deutlich an. Doch die Inflation bleibt hoch - und könnte zur Belastung werden.
Die Ökonominnen und Ökonomen der führenden deutschen Wirtschaftsinstitute erhöhten ihre Konjunkturprognosen spürbar. Sie begründen dies mit überraschend guten Exporten und glimpflicheren Auswirkungen durch den Iran-Krieg als befürchtet. Am optimistischsten sind das Münchner ifo Institut und das IWH aus Halle, die für 2026 je mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1,4 Prozent rechnen.
"Die deutsche Wirtschaft hat den Schock durch die steigenden Energiepreise erstaunlich gut weggesteckt", sagte ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. "Die Erholungskräfte haben im Verlauf des Jahres konjunkturell die Oberhand gewonnen." Deutliche Impulse aus dem Ausland und die Mehrausgaben für Infrastruktur, Klima und Verteidigung in Deutschland verhinderten stärkere Bremsspuren beim Wachstum durch die hohen Energiekosten und das Niedrigwasser auf den Flüssen, erklärte Wollmershäuser. Für nächstes Jahr veranschlagt der Ifo-Experte 1,2 Prozent Wachstum.
"Die deutsche Wirtschaft hat wieder Tritt gefasst", teilten die Kieler Forscher vom IfW mit, die ihre Wachstumsprognose für 2026 von 0,8 auf 1,3 Prozent erhöhten. Damit mehrten sich Zeichen, dass die Konjunktur ihre Talsohle durchschritten habe. "Trotz der zuletzt günstigen Entwicklung steht die Erholung aber noch auf wackeligen Beinen", warnte das IfW. So drohten Rückschläge durch die Folgen des Iran-Kriegs.
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Ähnlich äußerte sich das RWI aus Essen. "Die Erholung ist zwar da, die strukturellen Probleme sind aber nicht verschwunden", erklärte RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt. "Hohe Energiepreise, zu viel Bürokratie und schwache Wettbewerbsfähigkeit bremsen Deutschland weiter aus." Das Bruttoinlandsprodukt dürfte dem RWI zufolge um 1,3 Prozent steigen und 2027 um 1,1 Prozent zulegen. Nach drei Jahren Rezession, Stagnation und Mini-Wachstum wären das die kräftigsten Zuwächse seit vier Jahren - als die Konjunktur um 1,9 Prozent zulegte.
2028 rechnen RWI und IfW mit 0,5 Prozent Wachstum, das ifo mit 0,8 Prozent - das IWH aus Halle aber nur mit plus 0,2 Prozent. Bereits am gestrigen Mittwoch hatte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) seine Prognose angehoben. Es erwartet ein Wachstum von 1,2 Prozent in diesem Jahr, ein Plus von 0,7 Punkten im Vergleich zum Juni.
Grund für das deutliche Erhöhen der Prognosen war auch, dass das Wirtschaftswachstum Ende 2025 und Anfang 2026 nach revidierten Daten vom Statistikamt besser ausfiel als ursprünglich angenommen. Dies sorgt quasi für eine bessere Startrampe beim BIP für das laufende Jahr. Im zweiten Quartal war die Wirtschaft um 0,3 Prozent gewachsen, nach plus 0,4 Prozent zum Jahresstart 2026.
Für Rückenwind sorgen die Mehrausgaben der öffentlichen Hand für Infrastruktur und Verteidigung.
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