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Auftritt von Rapper: Berliner Linke streitet über Umgang mit Antisemitismus

FAZ Politik ·
Auftritt von Rapper: Berliner Linke streitet über Umgang mit Antisemitismus

Knapp drei Wochen vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus ringt der Landesverband der Linkspartei um den Umgang mit Antisemitismus: Am Samstagabend trat der Rapper Dahabflex bei einer Veranstaltung der Neuköllner Linken auf. Dort sang er das Lied „Stop the Genocide“. Darin heißt es, „Yalla Yalla Intifada – Westbank, Palästina, Gaza“ und „Death to the IDF“, auf Deutsch „Tod der IDF“.

Während der ersten und zweiten Intifada , wie die palästinensischen Aufstände von 1987 bis 1993 sowie von 2000 bis 2005 genannt werden, wurden Tausende Israelis und Palästinenser getötet. Bei der IDF handelt es sich um die „Israel Defense Forces“, die israelische Armee. Der Sänger trug beide Parolen während der Linken-Veranstaltung mehrfach vor. Zahlreiche Teilnehmer sangen mit.

Nach einem Bericht der Zeitung „Tagesspiegel“ war auch der Bezirksvorsitzende der Neuköllner Linken, Hermann Nehls, während des Auftritts kurzzeitig auf der Bühne. Das Konzert unterbrach er nicht. Nehls war für die F.A.Z. am Montag nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Die Spitzenkandidatin der Berliner Linken zur Abgeordnetenhauswahl, Elif Eralp, sagte am Sonntagnachmittag der Deutschen Presse-Agentur, sie verurteile „den Auftritt in Neukölln aufs Schärfste. Aufrufe zur Gewalt und zur Tötung von Menschen sind absolut inakzeptabel.“ Eralp sagte weiter: „Ich bin entsetzt, die Verantwortlichen hätten sofort intervenieren müssen.“

An ihre Parteifreunde gewandt, sagte sie: „Der Bezirksverband Neukölln hat den Sänger eingeladen, ich erwarte, dass dort aufgeklärt wird, wie es zu so einer Grenzüberschreitung kommen konnte, und dass es Konsequenzen gibt.“

Dass Eralp mit dieser Forderung durchdringt, gilt auch in der Linkspartei als fraglich. Bereits im vergangenen Jahr veranstaltete der Neuköllner Verband ein Kiezfest mit einem Vertreter des „Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitees“. Die Hamas-nahe Gruppe wird vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuft.

Die innerparteilich einflussreiche Landesarbeitsgemeinschaft „Palästinasolidarität“ der Berliner Linken postete nach Eralps Erklärung eine Instagram-Story, in der zunächst dem „Tagesspiegel“ vorgeworfen wird, die Neuköllner Veranstaltung „auf zwei Zeilen“ zu reduzieren, „die völlig aus dem Kontext gerissen werden“.

Dann wird Eralp kritisiert, ohne ihren Namen zu nennen: „Und anstatt auf die verzerrte Berichterstattung aufmerksam zu machen, wirft man seine Parteigenoss:innen den Wölfen zum Fraß vor.“ Unterlegt ist das Ganze mit Musik von Dahabflex und der Zeile „Volle Solidarität mit @dahabflex“.

Der Rapper sorgt innerhalb der Partei nicht zum ersten Mal für Auseinandersetzungen: Im vergangenen Jahr kündigte die Neuköllner Linke auf Instagram an, Dahabflex werde bei der Demonstration „Zusammen für Gaza“ auftreten.

Die frühere stellvertretende Bundesvorsitzende der Linken, Martina Renner, kritisierte dies auf Bluesky wegen eines Liedtextes von Dahabflex, in dem die Parole „Death to the IDF“ enthalten ist. Wenig später verschwand der Instagram-Post der Neuköllner Linken. Wie aus der Partei zu hören ist, soll es vorher direkte Kommunikation zwischen Renner und maßgeblichen Akteuren der Bundes-Linken gegeben haben.

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