Deutscher Verlag zieht russisch-ukrainische Liebesgeschichte zurück
Nach heftiger Kritik hat ein Buchverlag in Baden-Württemberg die Veröffentlichung einer fiktiven Liebesgeschichte zwischen einer Ukrainerin und einem russischen Soldaten gestoppt. Auf Wunsch der Autorin habe man infolge kritischer Kommentare in den sozialen Medien entschieden, den Roman »Wer ich bin, wenn du mich siehst« nicht zu veröffentlichen, sagte der Leiter des Molino Verlags, Matthias Slunitschek, der Deutschen Presse-Agentur.
Alle Kanäle des Verlags aus Sindelfingen würden derzeit mit Nachrichten zugeschüttet. Der Vorwurf laute, das Buch romantisiere den Krieg in der Ukraine, so Slunitschek.
In einer Nachricht an den Verlag äußerte unter anderem eine Person angesichts der Vermarktung der Geschichte Zweifel daran, wie sensibel der Verlag mit ukrainischen Erfahrungen umgehe und welchen Ansatz er bei der Darstellung des Krieges verfolge. Einen russischen Soldaten als Retter und romantischen Partner einer ukrainischen Zivilistin im besetzten Cherson darzustellen, berge die Gefahr, die Realität militärischer Besatzung, der Gewalt und des Leids der ukrainischen Zivilbevölkerung zu romantisieren, so die Kritik.
»Die Idee der Autorin war, zwei Menschen begegnen sich und diese menschliche Begegnung gewinnt über die äußere Konstellation«, sagte Verleger Slunitschek. »Es ist eigentlich ein Roman, der für Menschlichkeit und Frieden wirbt und gegen den Krieg ist.« Er habe den Eindruck, dass es sich bei der Reaktion im Netz um eine organisierte Aktion handle.
Im Ankündigungstext des Buchs heißt es: »Als russische Truppen die Stadt besetzen, verliert die ukrainische Zivilistin Lyusiya nahezu alles, was ihr Leben bisher ausgemacht hat. Nach einer Explosion wird sie von einem maskierten russischen Soldaten gerettet. Als sie sich wenig später wiederbegegnen, entsteht zwischen ihnen eine heimliche, intensive Beziehung. Je näher Lyusiya dem Mann hinter der Maske kommt, desto deutlicher wird, dass Liebe weder Gewalt noch Schuld auflösen kann. Ihre Nähe wird zur Zerreißprobe zwischen Angst, Mitgefühl und moralischer Verantwortung.«
Die Autorin des Buches, Juna Liebrecht, sagte der Deutschen Presse-Agentur, sie wolle sich entschuldigen, falls sich jemand angegriffen oder verletzt fühle. Sie habe mit ihrem Roman niemandem zu nahe treten wollen. »Ich wollte den Krieg nicht romantisieren. Das war nie meine Intention.« Sie komme selbst nicht aus der Ukraine und habe nicht den Anspruch gehabt, mit ihrem Roman den Krieg abzubilden.
8 Min Zur Merkliste hinzufügen Einblicke in die Generation Putin – er zieht in den Krieg, sie geht auf die Straße: »Lass uns auswandern, wenn du wieder da bist – sonst müssen wir uns den Partisanen anschließen« Von Timofey Neshitov Zur Merkliste hinzufügen Zur Merkliste hinzufügen Schilderung einer Soldatenfrau: Sie will ihren Mann einfach nur noch beerdigen 1 Min Zur Merkliste hinzufügen 1 Min Zur Merkliste hinzufügen Der Roman sollte nach Angaben des Verlags am 1. November auf den Markt kommen und am 7. November auf dem Bücherfestival in Baden-Baden vorgestellt werden. Die Autorin habe hierfür auch ein Stipendium des Förderkreises der Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Baden-Württemberg erhalten.
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