Psychologen sind sich einig: Wer Quittungen oder alte Kassenzettel aufbewahrt, ist kein Messi, sondern hat Bedürfnis nach Kontrolle
Wir alle haben irgendwo zerknitterte Quittungen und vergilbte Kassenzettel – entweder in den Tiefen unseres Portemonnaies oder ganz hinten in Schubladen. Die meisten von uns entschließen sich irgendwann, diese wegzuschmeißen – etwa, wenn uns gerade die Aufräumwut packt. Andere wiederum können sich nicht davon trennen. Das wurde lange Zeit als bloße Marotte oder beginnende Sammelliebe angesehen.
Doch nun weckt diese Angewohnheit das Interesse von Psychologen, die dafür eine weitaus positivere Erklärung finden als gedacht, schreibt die französische Nachrichtenseite „ L’internaute “.
Eine Studie , die 2025 im Fachjournal „Behavioural and Cognitive Psychotherapy“ veröffentlicht wurde, hatte sich mit dem Zusammenhang zwischen Alltagsgegenständen und dem Gedächtnis befasst.
Hauptautorin Laure Milgram und ihre Kollegen gingen dabei von folgender These aus: „Menschen, die unter einer Sammelstörung leiden, weisen eine verstärkte Bindung zu Gegenständen auf, aber es ist wenig über die möglichen Ursachen dieser Bindung und das damit verbundene Aufbewahrungsverhalten bekannt.“
Um die Hintergründe zu erforschen, befragten die Forscher 443 Studienteilnehmer, die aus einer Stichprobe der Gesamtbevölkerung rekrutiert wurden. Jeder Proband sollte Erinnerungen beschreiben, die mit drei Arten von Gegenständen verbunden waren:
3. und ein kürzlich erlebter Urlaub, wobei diese Kategorie als Kontrollgruppe ohne Gegenstand diente.
Die Forscher stützten sich dabei auf „proustsche“ Erinnerungen – ein Konzept des französischen Sozialkritikers Marcel Proust. Der wissenschaftlich belegte Proust-Effekt besagt, dass autobiografische Erinnerungen, die durch die Sinne aktiviert werden, zu den stärksten und einflussreichsten zählen. Insbesondere Gerüche und Geschmäcker können starke und schon in Vergessenheit geratene autobiografische Erinnerungen wieder aufleben lassen. Diese Erinnerungen werden als besonders persönlich, vertraut und positiv aufgefasst.
Nach Angaben der Wissenschaftler könnte das Erleben lebendiger ‚proustscher‘ Erinnerungen, die mit Gegenständen verbunden sind, die für die Sammelstörung charakteristische Bindung zu Gegenständen teilweise erklären. Ein Gebäck, ein Geruch oder ein einfaches Stück Papier könnte so einen ganzen Abschnitt unserer Vergangenheit wieder aufleben lassen.
Wie die Forscher erklärten, erwiesen sich die Studienergebnisse als besonders aufschlussreich. So ging nicht das Sammeln von materiell wertvollen Gegenständen, sondern von gewöhnlichen Objekten mit lebendigeren Erinnerunngen einher. Entgegen der weitverbreiteten Meinung sind es also nicht die wertvollen Objekte, die unser Gedächtnis am stärksten prägen.
„Die Studie stellt einen direkten Zusammenhang zwischen der Lebendigkeit einer Erinnerung und der Lust des Aufbewahrens eines Objektes her“, hieß es. Eine größere Lebendigkeit der mit Gegenständen verbundenen Erinnerungen war mit einem größeren Wunsch verbunden, sowohl wertvolle als auch normale Gegenstände zu behalten. Dieser Zusammenhang war jedoch bei normalen Gegenständen größer als bei wertvollen.
Das Erstaunliche: Dieser Mechanismus existiert unabhängig von jeder Störung.
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