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Wissenschaft

Begabung und Erfolg: Genie allein reicht nicht

Spektrum.de ·
Begabung und Erfolg: Genie allein reicht nicht

Um einen Affen zu malen, benötigt Wang Yani gerade einmal 40 Sekunden.

Sie hockt auf der Leinwand wie auf einem Teppich; ihr unterarmlanger Pinsel huscht hin und her: Schnauze, Rücken, Beine, ein geschwungener Schwanz; zum Schluss noch Finger und Zehen.

Nie zögert sie oder muss überlegen.

Es ist fast, als würde das Bild aus ihr herausfließen.

Zu dem Zeitpunkt, als die Kamera ihren Schaffensakt festhält, ist Yani gerade einmal vier Jahre alt.

Viele Kinder malen gerne.

Doch Stil und Technik des chinesischen Mädchens sind außergewöhnlich.

Schon bald tobt ein ganzer Reigen von Affen über das Papier – jeder in individueller Pose und mit einer eigenen Persönlichkeit: hier ein Frechdachs, der nach dem Schwanz des Vordermanns greift.

Dort ein Jungtier, das wagemutig auf dem Rücken der Mutter reitet.

Wer sieht, wie die kleine Gestalt völlig in sich versunken mit wenigen Pinselstrichen eine ganze Welt erschafft, der ahnt: Dieses Kind hat eine besondere Begabung. »Darunter verstehen wir das Leistungspotenzial einer Person auf einem bestimmten Gebiet – also zu welchen Leistungen sie prinzipiell fähig ist«, erklärt Roland Grabner, Psychologieprofessor und Begabungsforscher an der Universität Graz.

Von begabten Menschen sagen wir oft auch, sie seien talentiert.

Die Wissenschaft unterscheidet jedoch zwischen den beiden Begriffen.

Begabung ist etwas Verborgenes: Wir können einer Person nicht ansehen, ob in ihr beispielsweise das Potenzial für einen herausragenden Sopran oder eine brillante Mathematikerin schlummert. »Mit Talent bezeichnen wir dagegen frühe Anzeichen für eine hohe Begabung – wenn es etwa einem Kind besonders leichtfällt, sich Melodien einzuprägen und sie nachzusingen«, sagt Grabner.

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