Wandel bei Krankenhäusern: Warum die Regioklinik in Hermeskeil Modell für andere ist
Vieles gibt es nicht mehr, anderes ist neu dazugekommen: In Hermeskeil ist aus dem früheren Krankenhaus St. Josef ein neuer Gesundheitscampus entstanden, der unter einem Dach stationäre und ambulante Versorgung anbietet. Herzstück ist die Regioklinik, die als Erste ihrer Art in Rheinland-Pfalz vor einem Jahr offiziell an den Start ging.
Sie umfasst eine Station mit 20 Betten und eine Anlaufstelle für sogenannte Alltagsnotfälle - wie kleine Unfälle, Sportverletzungen oder bestimmte akute Beschwerden. Es gibt ein ambulantes OP-Zentrum für kleinere und mittlere chirurgische Eingriffe - von Eingriffen bei Leistenbrüchen über Gelenkspiegelungen bis hin zur Versorgung von Knochenbrüchen.
«Wir machen nur OPs, die keine intensivmedizinische Nachversorgung benötigen», sagt die kaufmännische Direktorin des Marienhaus Campus Hermeskeil, Alexandra Gebel. Denn die Intensivstation ist bei der Umstellung auf die Regioklinik geschlossen worden. Stattdessen wurden Überwachungsmöglichkeiten eingerichtet.
Auch die zentrale Notaufnahme ist weggefallen. An ihre Stelle traten zwei Aufnahmezimmer zur Versorgung von Alltagsnotfällen.
Lebensbedrohliche Notfälle wie der Verdacht auf einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall werden in größeren Kliniken im Umfeld behandelt. «Das war aber vorher schon auch so», sagt Gebel. In Hermeskeil (Kreis Trier-Saarburg) sei aber rund um die Uhr ein Arzt da, der die Erstversorgung bei aktuellen Alltagsnotfällen übernehme.
«Insgesamt läuft es gut», sagt Gebel. Die Patienten schätzten vor allem die kurzen Wege, da die Versorgung nah am Wohnort sei. Und viele lobten die familiäre Atmosphäre im Haus. «Bei uns ist man keine Nummer.»
Die Regioklinik sei eingebunden in ein Campus-Konzept, sagt Christina De Francesco-Kasper, Leitung Medizincontrolling bei der Marienhaus GmbH in Waldbreitbach. «Das ist auch das, was man benötigt, um solche Standorte am Ende des Tages dauerhaft mit Leben füllen zu können.»
Dazu gehört ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ), in dem Ärzte von montags bis freitags Patienten in sieben Facharzt-Praxen behandeln: von der Allgemeinmedizin über Neurologie und Psychiatrie bis hin zur Gastroenterologie.
Zudem gibt es eine geriatrische Reha-Abteilung mit rund 70 Betten und eine psychiatrische Tagesklinik mit 40 teilstationären Plätzen für Erwachsene.
Das Gesamtangebot sei «rund» und mache Sinn, sagt De Francesco-Kasper. In ländlichen Regionen gebe es das Problem, dass es zu wenig Ärzte gebe. «Dieses Haus kompensiert dieses Problem und verzahnt Ambulantes und Stationäres.»
Diese Versorgungsstrukturen unter einem Dach mit kurzen Wegen in nächster Nähe sorgten dafür, dass «die Menschen weiterhin gut versorgt werden können».
Insgesamt, sagt Standortleiterin Gebel, sei das Diagnosespektrum heute nicht viel anders als vorher.
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