97 Tote durch Ärztefehler! - Die Wahrheit über Deutschlands Kliniken
Jeder, der ins Krankenhaus geht, vertraut darauf, dort Hilfe zu bekommen. Doch die neue Bilanz des Medizinischen Dienstes zeigt: Für Tausende Patienten endet eine Behandlung mit schweren Schäden. Für manche sogar tödlich.
Die Zahlen , die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurden, sind alarmierend: 2025 wurden bundesweit 11.735 Verdachtsfälle auf Behandlungsfehler begutachtet. In 3.098 Fällen bestätigten die Gutachter einen Fehler mit Gesundheitsschaden. In 2.700 Fällen war der Fehler nachweislich die Ursache des Schadens. Besonders erschütternd: 97 Patienten starben, weil Fehler bei der Behandlung zum Tod führten oder entscheidend dazu beitrugen.
Und Experten warnen: Das sind nur die Fälle, die überhaupt untersucht wurden. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen. Wissenschaftliche Studien gehen davon aus, dass es in Deutschland jedes Jahr 350.000 bis 700.000 vermeidbare Schadensereignisse in Krankenhäusern geben könnte.
Hinter den nackten Zahlen stehen menschliche Schicksale. Da ist der 17-Jährige, bei dem während einer Handoperation eine von zwei Verletzungen schlicht übersehen wurde. Da ist die 63-jährige Patientin, die wegen einer missverständlichen Dosierungsanweisung ein Medikament über längere Zeit täglich statt nur einmal pro Woche einnahm.
Noch drastischer sind die sogenannten „Never Events“. So nennen Fachleute Fehler, die eigentlich niemals passieren dürften. Trotzdem wurden im vergangenen Jahr 150 solcher Fälle registriert, mehr als im Jahr zuvor. Dazu gehören Operationen an der falschen Körperseite, Patientenverwechslungen, gravierende Medikamentenfehler oder Operationsmaterial, das nach einem Eingriff im Körper zurückbleibt.
Der Medizinische Dienst fordert weitreichende Konsequenzen: Schwere Fehler sollen verpflichtend und anonym gemeldet werden. Außerdem sollen Kliniken und Ärzte offener mit Patienten umgehen, wenn etwas schiefgelaufen ist.
Auch das Gesundheitsministerium sieht Defizite. „Eine systematische Erfassung, Auswertung und Vermeidung“ von Behandlungsfehlern und Never Events sei „von großer Bedeutung“, erklärte das Ministerium. Es prüfe verschiedene Optionen, wie die Meldung solcher Fälle „verbindlicher ausgestaltet werden kann“.
Die neue Statistik macht vor allem eines deutlich: Die offiziell registrierten Fälle sind vermutlich nur die Spitze eines Eisbergs. Und hinter jeder Zahl steht ein Mensch, der darauf vertraut hat, gesund zu werden.
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