Wer nachfragt statt zu nicken, führt laut einer Studie flüssigere Gespräche – und wird vom Gegenüber als wärmer und zugewandter wahrgenommen
Man merkt ziemlich schnell, ob jemand wirklich zuhört . Nicht daran, dass er schweigt oder höflich nickt, sondern daran, was danach kommt: eine passende Rückfrage, eine Reaktion auf das Gesagte – oder plötzlich der Rückgriff auf ein Detail, das Minuten zuvor gefallen ist.
Genau solche Momente entscheiden mit darüber, ob aus einem Gespräch bloßer Wortwechsel oder echte Verbindung wird. Wer gut zuhört, macht Aufmerksamkeit sichtbar. In zwei Untersuchungen mit insgesamt 646 Teilnehmern waren solche Verhaltensweisen mit flüssigeren Gesprächen und stärker wahrgenommener Verbundenheit verknüpft.
Wissenschaftler um Taylor N. West von der University of North Carolina at Chapel Hill haben solche Gespräche genauer untersucht. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachjournal „Communications Psychology“. Grundlage sind zwei vorregistrierte Untersuchungen mit insgesamt 646 Teilnehmern. Dabei analysierte das Team Gespräche zwischen Menschen , die sich zuvor nicht kannten. Die Forscher interessierte nicht, wer sich selbst für einen guten Zuhörer hielt. Sie werteten aus, was die Teilnehmer tatsächlich sagten und taten.
In der ersten Untersuchung kamen 300 Studenten und Hochschulabsolventen in die Auswertung. Sie führten mit einer unbekannten Gesprächspartnerin ein zehnminütiges Gespräch. Vorgegebene Fragen führten schrittweise zu persönlicheren Themen. Anschließend zerlegten geschulte Beobachter die davon angefertigten Aufnahmen in Abschnitte von jeweils 30 Sekunden. Zwei Verhaltensweisen erfassten sie besonders genau:
Mehr Anschlussfragen gingen in diesen zehnminütigen Gesprächen mit schnelleren Reaktionen beider Gesprächspartner einher. Auch Menschen, die häufiger Verständnis signalisierten, antworteten schneller und bekamen schneller eine Antwort. Bei der verbalen Bestätigung fiel der Zusammenhang mit der eigenen Reaktionszeit besonders deutlich aus. Die Wissenschaftler werteten schnelle Wechsel nicht als Wettlauf ums Wort. In Gesprächen zwischen Fremden gelten flüssige Übergänge vielmehr als ein mögliches Zeichen dafür, dass beide aufeinander eingestellt sind.
Auch bei einem zweiten Maß zeigte sich ein Zusammenhang. Beobachter bewerteten Gespräche mit mehr Anschlussfragen und verständnisvollen Reaktionen häufiger als warm, zugewandt und synchron. Auch die jeweils andere Person berichtete häufiger von dieser sogenannten „positivity resonance“. Die Zuhörer selbst empfanden dagegen nicht automatisch eine stärkere Verbindung. Für ihre eigene Bewertung ließ sich in der ersten Untersuchung kein signifikanter Zusammenhang nachweisen.
Beim Durchsehen der Gesprächsprotokolle fiel den Wissenschaftlern noch etwas auf. Teilnehmer mit besonders hochwertigem Zuhörverhalten griffen häufig Informationen auf, die ihr Gegenüber bereits früher erwähnt hatte. Sie fragten beispielsweise später nach einem Kommentar eines Professors oder danach, wie eine zuvor erzählte Auseinandersetzung weiterging. Das spricht dafür, dass sie Informationen nicht nur kurzfristig aufnahmen, sondern im Verlauf des Gesprächs weiterverarbeiteten.
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