Mutmaßlicher Saboteur in Bukarest vor Gericht
In Bukarest steht der Ukrainer Vadym S. vor Gericht. Er soll einen Brandanschlag vorbereitet und ein Waffendepot bei Berlin angelegt haben - im Auftrag russischer Geheimdienste?
Im Oktober 2025 entdeckten Ermittler ein Waffendepot in einem Waldgebiet bei Berlin. Seitdem ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen des Verdachts der geheimdienstlichen Agententätigkeit und der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat gegen eine Person, die in Rumänien in Haft sitzt.
Bei dem Tatverdächtigen soll es sich um den Ukrainer Vadym S. handeln, der seit dem 1. September wegen einer weiteren Straftat in der rumänischen Hauptstadt Bukarest vor Gericht steht.
Er soll am 15. Oktober 2025 bei einer Bukarester Filiale des ukrainischen Logistikunternehmens Nova Post zwei Pakete mit funktionsfähigen Brandvorrichtungen aufgegeben haben. Seine rumänische Anwältin bestätigte ZDF frontal, dass ihr Mandant auch in das Verfahren um das Berliner Waffendepot involviert sei. Rumänische Behörden hätten in direktem Kontakt mit deutschen und polnischen Ermittlern gestanden.
Auch im Verfahren in Rumänien geht es um den Vorwurf der Sabotage. Vadym S. und ein weiterer ukrainischer Mitangeklagter sollen mit dem Auto von Polen nach Bukarest gefahren sein und so die gefährlichen Brand-Pakete ins Land gebracht haben. Von Bukarest sollten die Sendungen in die Ukraine verschickt werden. In den Paketen fanden Ermittler Brandvorrichtungen, die in Kopfhörern sowie in Tuben verborgen waren und die als Schmier- beziehungsweise Korrosionsschutzmittel getarnt waren. Das geht aus einem Gerichtsdokument des Berufungsgerichts Bukarest hervor, das ZDF frontal vorliegt. Nach Angaben der Ermittler bestätigten Tests die Funktionsfähigkeit der selbstgebauten Brandsätze.
Wäre es tatsächlich zu einem Brand gekommen, hätte er sich laut Erkenntnissen der rumänischen Sicherheitsbehörden auf die umliegenden Gebäude ausbreiten können "und so eine reale Gefahr für das Leben einer sehr großen Anzahl von Menschen sowie für die in der Umgebung gelegenen Gebäude und Güter darstellen" können. Die Verteidigerin von Vadym S. sagte, die Angeklagten hätten den genauen Inhalt der Pakete nicht gekannt.
Der rumänische Inlandsnachrichtendienst SRI erklärte nach der Festnahme, die beiden Ukrainer seien direkt von Vertretern russischer Nachrichtendienste koordiniert worden. Sie sollen demnach zu einem weit verzweigten Sabotagenetzwerk gehört haben, das von russischen Diensten kontrolliert worden sei. S. und sein Mitangeklagter stammen laut Gerichtsunterlagen aus dem russisch besetzten Teil der südukrainischen Region Cherson. Vor ihrer Festnahme lebten beide Männer in Polen.
Nach Recherchen des Spiegel soll S. am 1. Oktober 2025 mit einem Fernbus aus Polen nach Berlin gefahren sein. Dort soll er an einer Adresse im Osten der Stadt zwei kleine Pakete mit zwei Pistolen und Munition abgeholt und anschließend in einem Waldstück nahe dem Müggelsee versteckt haben.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt ( CSU ) sagte nach Bekanntwerden Ende August, die gefundenen Waffen und die Munition seien "sicherlich vorgesehen gewesen, um Anschlagsplanungen durchzuführen".
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