Abnehmspritze Wegovy auch als Pille - die Nebenwirkungen bleiben
Wegovy als Tablette Abnehmpille statt Spritze - die Nebenwirkungen bleiben Stand: 01.09.2026 • 10:40 Uhr
Die Abnehmspritze Wegovy bekommt Konkurrenz aus dem eigenen Haus: Der Wirkstoff Semaglutid ist jetzt auch als Tablette erhältlich. Experten warnen vor einem Hype um das vermeintliche Wundermittel.
"Es gibt keine einfachen Lösungen für Übergewicht." Für die Bonner Internistin Ulrike Becker ist dieser Satz die wichtigste Botschaft zum Start der neuen Wegovy-Tablette. Denn obwohl das Medikament vielen Betroffenen helfen könne, sei die Vorstellung einer unkomplizierten "Abnehmpille" irreführend.
"Wenn ich die Tablette absetze, lässt die Wirkung natürlich nach. Wenn ich dann nicht die Zeit genutzt habe, mein Leben und Gewohnheiten zu ändern, mich mehr zu bewegen und die Ernährung umzustellen, dann habe ich einen Jojo-Effekt, und die Menschen nehmen wieder zu", sagt Ulrike Becker. Manchmal sogar mehr, als sie abgenommen hätten. Vom 1. September an kommt der Wirkstoff Semaglutid erstmals als Tablette auf den deutschen Markt. Die Hoffnung vieler Patientinnen und Patienten sei groß, sagt Becker.
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Der Wirkstoff ist nicht neu: Semaglutid wird bereits in der Abnehmspritze Wegovy eingesetzt. Die Tablette enthält denselben Wirkstoff und soll Menschen mit Adipositas oder starkem Übergewicht beim Abnehmen unterstützen. Zugelassen ist sie für Erwachsene mit Adipositas mit einem Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 30 oder ab einem BMI von 27, wenn bereits Begleiterkrankungen wie Diabetes vorliegen.
Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Wirkstoff, sondern in der Anwendung, erklärt der Münchner Ernährungsmediziner Hans Hauner. Während die Spritze nur einmal pro Woche verabreicht wird, muss die Tablette täglich eingenommen werden. Zudem erfolgt die Aufnahme des Wirkstoffs über den Darm deutlich schlechter. "Nur etwa 1,5 Prozent des in Pillenform verabreichten Semaglutids kommen überhaupt im Blut an", sagt Hans Hauner. Deshalb müsse in Tablettenform eine deutlich höhere Wirkstoffmenge eingesetzt werden als bei der Spritze.
Für Patientinnen und Patienten könne die neue Darreichungsform dennoch attraktiv sein. Wer Spritzen scheut, erhält nun eine Alternative. "Wer das Medikament benötigt und es sich leisten kann, kann wählen, welche Darreichungsform ihm lieber ist", so Hauner.
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Semaglutid ahmt ein körpereigenes Darmhormon nach. Es beeinflusst das Hunger- und Sättigungsgefühl im Gehirn und sorgt dafür, dass Betroffene weniger essen. "Diese Medikamente verzögern die Magenentleerung und drosseln den Appetit. Man ist länger satt", erklärt die Bonner Internistin Ulrike Becker. Bei Menschen mit Diabetes könne zudem der Blutzuckerspiegel stabilisiert werden.
Der Münchner Ernährungsmediziner Hans Hauner beschreibt die Wirkung ähnlich. Die Tablette dämpfe den Appetit und führe dazu, dass deutlich weniger Kalorien aufgenommen würden.
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