Studie entlarvt - Teilzeit-Irrsinn im öffentlichen Dienst
Berlin – Der Staat klagt über Personalmangel – dabei steckt im bestehenden Personal eine gewaltige Arbeitszeit-Reserve. BILD liegt exklusiv eine noch unveröffentlichte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) vor. Das brisante Ergebnis: Würden alle Teilzeitbeschäftigten bei Bund, Ländern und Kommunen auf Vollzeit aufstocken, entstünde rechnerisch ein Arbeitsvolumen von 634.000 zusätzlichen Vollzeitkräften – fast exakt so viel, wie dem öffentlichen Dienst laut Beamtenbund fehlt: 631.000 Beschäftigte.
Heißt: Die beklagte Personallücke könnte rein rechnerisch komplett aus dem vorhandenen Personal geschlossen werden!
Das IW räumt ein: Vollzeit für alle ist verständlicherweise unrealistisch. Doch selbst bei einem moderateren Szenario bleibt die Reserve riesig. Würden Länder und Kommunen nur das Arbeitszeitniveau von Sachsen-Anhalt erreichen – dort ist die durchschnittliche Arbeitszeit im öffentlichen Dienst am höchsten –, kämen ganze 294.000 zusätzliche Vollzeitkräfte zusammen.
Besonders brisant: Die größten Reserven liegen dort, wo der Personalmangel besonders laut beklagt wird. Studienautor Björn Kauder, Senior Economist beim IW und renommierter Experte für öffentliche Finanzen, beziffert das theoretische Potenzial an Schulen auf 153.000 Vollzeitkräfte, in Kitas auf 54.400 und in Kommunalverwaltungen auf 41.800. An Hochschulen sind es 16.000 und bei der Polizei 10.800.
Spitzenreiter ist Bayern : Würden dort alle Teilzeitkräfte von Land und Kommunen auf Vollzeit wechseln, entspräche das 129.800 zusätzlichen Vollzeitkräften. Dahinter folgen NRW mit 115.100 und Baden-Württemberg mit 111.300.
In Baden-Württemberg , Bayern und Rheinland-Pfalz könnte das Arbeitsvolumen theoretisch um rund 19 bis 21 Prozent steigen. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sind es rund acht Prozent.
Das IW stellt die Grundsatzfrage, ob es zu wenig Personal für die Aufgaben gibt – oder zu viele Aufgaben für das vorhandene Personal. Zusätzliche Arbeitskräfte aus der Privatwirtschaft in den Staatsdienst zu locken, überzeuge ökonomisch nicht.
Der „Königsweg“ seien vielmehr schlankere Gesetze, für deren Umsetzung weniger Personal nötig wäre.
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