„Mein Licht wurde ausgeknipst“ - Zweitliga-Profi spricht über Kampf um Leben und Tod
Die Nachricht war ein Schock: Ende Mai erleidet Lars Bünning (28), Verteidiger bei Zweitligist Dynamo Dresden, einen Hirnschlag – es besteht akute Lebensgefahr. Viereinhalb Monate später spricht der Profi jetzt erstmals ausführlich über diesen Schicksalsschlag.
Eigentlich hing der Himmel für Bünning im späten Frühling voller Geigen: Klassenerhalt mit Dynamo, Party auf Mallorca, Hochzeit mit seiner großen Liebe Sina. Doch plötzlich wurde aus dem schönen Leben bitterer Ernst .
„Es kam aus heiterem Himmel“, beginnt der gebürtige Hamburger im Live-Talk des Dynamo-Podcasts in der Gläsernen Manufaktur zu erzählen. „Ich war auf dem Sprung zu einem Junggesellen-Abschied in Dublin, wollte mich bei meinen Eltern im Badezimmer fertigmachen. Doch dann wurde es komisch. Man muss sich das so vorstellen, wie wenn man zu schnell aufsteht und der Kreislauf ein bisschen verrücktspielt. Ich dachte: Okay, wird schon gleich wieder weggehen. Ging es aber nicht. Ich stand da und konnte mich nicht mehr bewegen. Mein Körper war wie eingefroren.“
Mit letzter Kraft gelang es ihm dann, seine Frau in Dresden anzurufen, die den Ernst der Lage sofort erkannte und blitzschnell Hilfe organisieren konnte. Glücklicherweise war seine Schwägerin in der Nähe, hatte auch die Schlüssel zur Wohnung seiner Eltern bei Hamburg. „Ab diesem Zeitpunkt kann ich mich an nichts mehr erinnern. Ich lag wohl am Boden, konnte mich nicht mehr bewegen und habe vor Schmerzen geschrien. Mein persönliches Licht wurde ausgeknipst.“
Auch heute wühlt ihn das Geschehene noch sichtlich auf. „Ich kann darüber sprechen. Problematisch wird es, wenn ich an meine Familie denke, wie es denen ergangen ist“, sagt Bünning. Dann stockt er, kämpft mit den Tränen. „Vor allem meine Frau, die die stärkste Person ist, die ich kennenlernen durfte. So eng liegen Freud und Leid beieinander.“
Bünning wurde mit dem Rettungshubschrauber in die Klinik geflogen, wachte erst auf der Intensivstation wieder auf. Sein Zustand verschlechterte sich. „Das war der Moment, wo die Ärzte entschieden haben: Lebt er, ja oder nein?“ Sie entschieden sich für eine Not-OP, legten ihn ins künstliche Koma.
Was genau ihn fast das Leben gekostet hatte, beschreibt Bünning so: „Eine Ansammlung von Blutgefäßen in meinem Kopf hat dazu geführt, dass das Blut nicht richtig zirkulieren konnte. Eine angeborene Fehlbildung, die bei der OP vollständig beseitigt werden konnte. Ich gelte damit als geheilt.“
Es sind Sätze, bei denen man dem Profi anmerkt, wie bewegend sie für ihn sind. „Ich bin so unendlich dankbar dafür, dass ich heute hier stehen und meinem Sohn auf die Stirn küssen kann.“ Damit lüftet Bünning ein süßes Geheimnis: Er wurde vergangenen Mittwoch stolzer Vater. Ein überwältigendes Gefühl. Erst recht nach dem, was ihm widerfahren ist. „Es gibt nichts Schöneres.“
Jetzt gibt es für ihn nur noch eine Richtung: vorwärts! „Am 1. Dezember habe ich noch einen letzten Eingriff. Ein Stück Schädelplatte, die damals entfernt werden musste, wird wieder eingesetzt.
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