Sensation gegen Darmstadt? - Pokalheld Stegmayer glaubt an Jena-Chance
Am Sonntagnachmittag bleibt ER zu Hause. „Dann sitze ich vor dem Fernseher und schaue mal, ob Carl Zeiss die Überraschung gegen Darmstadt schafft“, sagt Michael Stegmayer (41). Der kickte einst für den FCC in der Zweiten Liga, später vier Jahre für die Lilien, auf die Jena am Sonntag (15.30 Uhr, live bei Sky) in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals trifft. „Ich bleibe da mal ganz neutral. Ich hatte bei beiden Vereinen eine schöne Zeit“, sagt er.
Im Sommer 2007 kam Stegmayer vom VfL Wolfsburg nach Jena. „Das war kurz vor dem Saisonstart. Die Vorbereitung hatte ich noch bei Felix Magath gemacht, weshalb ich in Jena einer der fittesten Spieler war“, erinnert er sich. In Jena ging der Start gleich daneben, nur ein Punkt aus fünf Spielen war eine hohe Hypothek. „Davon haben wir uns nie wirklich erholt und sind ja dann auch abgestiegen“, erzählt er.
Dabei war das Team unfassbar gut besetzt. Der tschechische Zauberfuß Jan Simak brillierte als Stratege, die Nationalspieler Sandor Torghelle (Ungarn) und Konstantinos Charalambides (Zypern) brachten internationales Flair an die Kernberge. „Doch irgendwie waren wir nur eine Pokalmannschaft“, sagt Stegmayer. Denn was in der Zweiten Liga schieflief, funktionierte im DFB-Pokal. Jena schaltete den Pokalverteidiger Nürnberg aus, gewann im Februar 2008 beim Deutschen Meister VfB Stuttgart. „Und plötzlich stehst du im Dortmunder Westfalenstadion vor über 80.000 Zuschauern im Halbfinale, hast die Chance, nach Berlin zu fahren. Das war ein wahnsinniger Ritt“, erinnert sich Pokalheld Stegmayer.
Dass man es nicht schaffte, schmälerte die Pokalsaison nicht: „Die Erinnerungen bleiben, sie sind für mich bis heute präsent. Und wenn Jena spielt, schaut man dann schon mal nach den Resultaten, und dann freue ich mich, wenn sie gewonnen haben.“ Stegmayer würde sich wünschen, dass der FCC zumindest wieder die Dritte Liga bereichern würde. „Ich weiß aber auch, wie steinig der Weg dahin ist“, sagt er.
Und Darmstadt ? „Da habe ich den Großteil meines Fußball-Lebens verbracht. Es ist schon ein besonderer Klub“, sagt er. Nach der Karriere wurde er Teammanager, stieg langsam in der Hierarchie des Vereins auf. Im vergangenen Dezember war dann plötzlich Schluss. „Das kam für mich aus dem Nichts. Ich bin dann viel unterwegs gewesen, habe nachgedacht. Am Anfang wollte ich mir etwas Neues im Fußball suchen“, sagt er. Doch es kam anders: „Je weiter ich mich vom Fußball entfernte, desto weniger wollte ich erst einmal wieder im Fußball arbeiten“, erklärt er. Freunde hätten ihm Mut gemacht, etwas anderes zu probieren.
„Ich habe mich selbstständig gemacht, bin als Unternehmenscoach unterwegs“, sagt Stegmayer. Seine Philosophie: „Überall hängt der Erfolg an denselben Fragen. Wer spielt auf welcher Position, woran wird gute Leistung gemessen, und läuft es auch, wenn der Chef mal fehlt? Im Profifußball werden diese Fragen jede Woche beantwortet, und ich habe das als Spieler und in zehn Jahren Vereinsmanagement von innen erlebt. Genau diese Werkzeuge gebe ich heute weiter – online und in Tagesseminaren vor Ort, an Unternehmer, Führungskräfte und Teams.“
So ganz vom Fußball ablassen kann er aber nicht.
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