Ernährungsexperte zur Abnehmpille Wegovy: „Einfach schlucken und schlank werden klappt nicht”
Ab 1. September 2026 bringt das Unternehmen Novo Nordisk erstmals eine Tablette zur Gewichtsregulierung in Deutschland auf den Markt. Ihr Name: Wegovy. Bislang gab es den darin enthaltenen Wirkstoff Semaglutid nur als sogenannte „Abnehmspritze“. Nun heißt es: keine Nadel, einfach schlucken. Doch wer hofft, damit ließe sich das Abnehmen „nebenbei“ erledigen im Sinne von „einfach eine Pille schlucken und schnell schlank werden“, der irrt.
Uwe Knop ist evidenzbasierter Ernährungswissenschaftler, der fundierte Orientierung für selbstbestimmte Ernährungsentscheidungen bietet. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle .
Zugelassen ist sie für Erwachsene mit einem BMI ab 30 oder ab 27 bei mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung, Schlafapnoe oder Typ-2-Diabetes.
Sie wird als Ergänzung (!) zu einer kalorienreduzierten Ernährung und mehr körperlicher Aktivität eingesetzt. In der Zulassungsstudie verloren die Teilnehmenden nach 64 Wochen im Schnitt 13,6 Prozent ihres Körpergewichts, unter Placebo waren es 2,2 Prozent. Einen direkten Vergleich mit der Wegovy-Spritze gab es in dieser Studie nicht.
Die Erhaltungsdosis der Tablette liegt bei 25 mg täglich. Semaglutid wird über den Magen-Darm-Trakt nur begrenzt aufgenommen; daher unterstützt ein Hilfsstoff (SNAC) die Aufnahme. Für Typ-2-Diabetes gibt es orales Semaglutid bereits länger. Hier liegen die üblichen Erhaltungsdosen je nach Formulierung bei 4 bis 14 Milligramm täglich.
Neu ist die hoch dosierte 25-Milligramm-Variante zur Gewichtsregulierung. Der entscheidende praktische Unterschied zur Spritze steckt in der morgendlichen Einnahme: Nach mindestens acht Stunden Fasten wird die Tablette auf nüchternen Magen mit einem Schluck Wasser eingenommen. Danach müssen mindestens 30 Minuten vergehen, bevor gegessen, getrunken oder andere orale Medikamente eingenommen werden.
Die Tablette darf nicht geteilt, zerdrückt oder zerkaut werden. Wer morgens sofort Kaffee braucht oder einen unregelmäßigen Tagesablauf hat, kann die Tablette deshalb als umständlicher empfinden als eine einmal wöchentliche Injektion.
Wie bei injizierbarem Semaglutid stehen Magen-Darm-Beschwerden im Vordergrund, vor allem Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung. In der Zulassungsstudie traten gastrointestinale Nebenwirkungen bei 74 Prozent der Teilnehmenden unter oralem Semaglutid auf, gegenüber 42,2 Prozent unter Placebo.
Bei einer starken Gewichtsabnahme kann neben Fettmasse auch fettfreie Masse, zu der vor allem Muskeln gehören, verloren gehen. Dieser „Sarkopenie“ genannte Muskelabbau (Verlust von Masse und Kraft) wurde bereits mehrfach beobachtet. Deshalb sollte die Therapie nicht nur auf die Zahl auf der Waage zielen: Eiweißreiche Lebensmittel und gezieltes Krafttraining können helfen, Muskelmasse während der Gewichtsabnahme zu erhalten.
Auch hier ist die Tablette kein Wundermittel. In Studien hatten Menschen ein Jahr nach dem Absetzen von Semaglutid im Mittel etwa zwei Drittel des zuvor verlorenen Gewichts wieder zugenommen.
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