Parkinson: Diese Frauen begegnen der Krankheit mit Boxhandschuhen – die guten News der Woche
Wenn Heike Cohrs in den Boxclub kommt, parkt sie ihren Rollator neben dem Ring. Sie zieht sich die Handschuhe über, zwei dicke, schwarze Fäustlinge. Dann beginnt sie mit dem Training. Schattenboxen zum Aufwärmen, danach Schläge auf die Boxsäcke. Von unten, von der Seite, links, rechts.
Cohrs, 82 Jahre alt, ist Teil einer besonderen Boxgruppe. Jeden Mittwoch trifft sie sich im Hamburger Stadtteil Winterhude. Die elf Frauen haben alle die Diagnose Parkinson.
Der Kurs hilft ihnen, besser mit ihrer Erkrankung umzugehen. Denn regelmäßiger Sport kann die Symptome spürbar lindern. Durch das Boxen können Betroffene ihre Beinkraft stärken und ihr Gleichgewicht verbessern; sie sind dadurch wieder mobiler. Aber nicht jede Sportart macht auch Spaß. Bevor sie zum Boxen kam, war Heike Cohrs einmal bei einem Tanzabend mit anderen Parkinsonpatienten. »Furchtbar«, sagt sie. »Das war Ringelreihen mit Anfassen.«
Beim Boxen läuft es besser, berichtet mein Kollege Martin Schlak. Er war bei einer Kursstunde dabei. »Die Frauen trainieren nicht nur ihren Körper, sondern holen sich auch viel Selbstbewusstsein zurück«, erzählt er. Viele von ihnen hätten anfangs Vorurteile gegen Boxen gehabt. Die hätten sie beiseitegeschoben und sich auf die neue Erfahrung eingelassen. »Das fand ich beeindruckend.«
Auch mit der Trainerin der Frauen hat Martin gesprochen. Dilar Kisikyol ist dreifache Weltmeisterin der Frauenboxvereinigung WIBF im Leichtgewicht und hat vor zwei Jahren ihre Karriere beendet. »Obwohl sie auf einem ganz anderen Niveau geboxt hat, feiert sie mit den Frauen jeden kleinen Fortschritt«, sagt er.
So wie bei Heike Cohrs. Im vergangenen Jahr habe sie die Zahnpastatube plötzlich nicht mehr aufschrauben können, erzählte die Seniorin Martin. Nun sei die Kraft dafür wieder da. Wenn Kisikyol eine Übung für sie vereinfachen möchte, erwidert Cohrs: »Nein, ich versuche das.«
Die Geschichte der Boxerinnen inspiriert und macht Mut. Hier können Sie sie lesen .
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