Poesie-Star Clara Lösel (27) - Meine Gedichte bringen sogar Männer zum Weinen
Berlin – Sie spricht leise. Sie braucht keine schnellen Schnitte, kein großes Studio, nicht einmal ein Stativ. Mit ihrer direkten Art und der sympathischen Stimme erreicht Clara Lösel (27) mit ihren Gedichten Millionen Menschen. Über 800.000 folgen ihr auf Instagram und TikTok. Wenn sie ihre Texte vorträgt, passiert etwas, das in unserer hektischen Welt selten geworden ist: Die Menschen halten inne. Sie hören ihr zu, wenn es um Liebe geht. Um Trauer. Um Selbstzweifel, Verlust, Schönheitsideale, Hoffnung. All die großen Gefühle, für die einem selbst manchmal die Worte fehlen.
Genau darin liegt das Besondere an der jungen Frau aus Gießen, die heute in Berlin lebt: Sie findet Worte für Gefühle, die wir alle kennen, aber oft selbst nicht ausdrücken können. „Ich glaube, ich schreibe so, wie ich spreche“, sagt sie zu BILD. „Ich habe nie versucht, etwas anderes zu sein. Sondern es kommt immer noch so aus mir heraus, wie ich das halt fühle.“
Offenbar fühlen sehr viele Menschen genauso wie Clara Lösel. Ihr erstes Buch „Wehe, du gibst auf“ steht seit anderthalb Jahren auf der Bestsellerliste und verkaufte sich mehr als 170.000 Mal. Vor wenigen Tagen ist ihr zweites Buch erschienen: „Ich dachte, so etwas fühl’ nur ich“, wieder mit 101 Gedichten, die aus ihrem Herzen kommen. „Dass Schreiben mein Hauptjob sein könnte und dass Leute interessiert, was ich so über die Welt denke, das war überhaupt nicht in meinem Horizont.“ Das Schreiben war schon da, lange bevor das Publikum kam. „Ich habe bereits als Kind Gedichte geschrieben. Schon in meinem Tagebuch aus dem Jahr 2009 stehen kleine Vierzeiler. Da war ich neun Jahre alt.“
Ihre große Inspiration war ihr Opa. Clara Lösel zu BILD: „Mein Bruder und ich saßen bei ihm im großen Sessel und hörten zu, wenn er für uns Geschichten erfand. Opa war wirklich ein unglaublich guter Geschichtenerzähler. Ich glaube, an ihm ist ein ganz toller Kinderbuchautor verloren gegangen.“ Ihr erstes Buch und ihre erste Tour widmete Clara ihm. „Mein Opa ist leider schon verstorben. Aber er schwingt so in allem mit, was ich mache.“
Bis heute ist Schreiben für sie nicht nur Beruf, sondern ihre Art, Gedanken zu sortieren. „Wenn irgendwas passiert ist, dann habe ich darüber geschrieben, und so ist es noch heute. Wenn es auf dem Papier steht, ist es irgendwie verarbeitet. Dann ist der Kopf wieder ein bisschen freier.“ Clara schreibt bewusst nicht kompliziert. Ihr schönster Satz über die erstaunliche Rückkehr der Poesie: „Gedichte sind die Reels der Literatur-Szene . Denn während unsere Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer wird, können wenige Zeilen manchmal mehr auslösen als viele Seiten.“
Ihre Auftritte haben mit der klassischen Wasserglas-Buchlesung wenig zu tun. Clara macht aus ihren Gedichten einen Abend, der berührt, aufwühlt und im nächsten Moment wieder leicht wird. „Die Leute sind oft überrascht, dass doch so viel gelacht wird. Dieser Mix aus Weinen- und Gänsehaut-Momenten, dem Lachen und Humor verbindet uns.“ Wer alles zu ihren Lesungen kommt, ist selbst für Clara manchmal erstaunlich: „Ein Zehnjähriger sprang mir nach einem Auftritt in die Arme.
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