Marcus Ehning bei Reit-WM: Der Mann, der voranspringt
Wenn Marcus Ehning nach Aachen kommt, hat er viel zu tun. In erster Linie reiten, natürlich, aber zuerst muss er viele Menschen grüßen. Sie kennen ihn dort, die Ordner am Parkplatz und am Eingang zum Turniergelände, die Zuschauer sowieso. „Das macht einen schon ein bisschen stolz“, sagt der Springreiter. „Aachen ist Aachen, aber es wird nie zur Routine.“ Vor allem nicht in diesem Jahr. Dort, wo immer Anfang Juli der CHIO, das größte Reitturnier der Welt stattfindet, ist jetzt alles noch ein bisschen größer und bedeutungsvoller.
Am Sonntag endete die erste Woche der Weltmeisterschaften in sechs Pferdesport-Disziplinen. Jetzt galoppieren die Springpferde über den Rasenplatz, der für Marcus Ehning mit einigen seiner wichtigsten Erfolge verbunden ist, aber auch mit seinem härtesten Rückschlag. „Das ist inzwischen verjährt“, sagt er heute über das, was 2006 passiert ist, als die Weltreiterspiele zuletzt in Aachen stattfanden. Er hat es längst mit besseren Erinnerungen überschrieben.
Mit der jungen, erst neun Jahre alten Stute Küchengirl hatte er dort vor 20 Jahren zum ersten Mal den Großen Preis gewonnen. Es war der bis dahin wichtigste Einzel-Erfolg seiner Karriere. Als Weltranglistenerster reiste er drei Monate später zur WM. Doch als es um die Team-Medaillen ging, stand da diese Mauer aus Kunststoffblöcken im Weg, im Design einer Briefmarke, die Küchengirl überhaupt nicht geheuer war. Sie verweigerte den Absprung und rutschte in das Hindernis. Die Mannschaft gewann trotzdem noch Bronze. Ehning nahm alle Schuld für den Fauxpas auf sich.
„Mein Pferd war so was von in Form, aber ich war total übermotiviert. Ich hatte es am ersten Tag schon übertrieben“, so erzählte er es vor einiger Zeit im CHIO-Aachen-Podcast. Die ganze WM-Woche über merkte er, dass die Atmosphäre in dem imposanten Stadion Küchengirl überforderte, das Flutlicht sie ablenkte und die Stute „mental nicht ganz bei mir war. Im ersten Moment war das natürlich knallhart“, sagte Ehning. „Aber entscheidend ist, wie man da wieder rauskommt.“ Am besten so: Vier Jahre später trat er wieder bei einer WM an – und gewann die Team-Goldmedaille.
Heute, mit 52 Jahren, ist Marcus Ehning der Reiter mit den meisten Medaillen in der deutschen Equipe, darunter olympisches Mannschaftsgold. Auch mit Aachen ist er längst versöhnt, den Großen Preis gewann er später noch zweimal. Otto Becker setzt auf Ehnings Routine und seine Ruhe, die er im Sattel und als Mensch ausstrahlt. „Ich glaube, diese Erfahrung damals hat Marcus nur stärker gemacht“, sagt der Bundestrainer. Und er ist überzeugt, „dass er das hier wieder geraderückt“. Auf ihn macht der Reiter in dieser Saison wie gewohnt einen stabilen und fokussierten Eindruck – obwohl das Jahr schmerzhaft begann.
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Der zweite große Rückschlag seiner Karriere ereilte Marcus Ehning an Heiligabend 2025: „Ich habe versucht, Ski zu fahren. Hat nicht so gut geklappt.“ Die Folge: ein Kreuzbandriss. Auch darüber kann Ehning inzwischen lachen.
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