Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl - Der schlimmste Schmerz meines Lebens
Aubenhausen (Bayern) – Vier olympische Goldmedaillen, zweimal Einzel, zweimal Team, Tokio und Paris. Mit ihrer Wunderstute Dalera ist Jessica von Bredow-Werndl (40) die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt. Wie viel ihr ihre Pferde bedeuten, zeigt sich, als sie über den größten Verlust ihres Lebens spricht: Ihr Pferd Diallo starb Anfang des Jahres an einem plötzlichen Hirninfarkt – und sie erzählt, wie ausgerechnet ihre Pferde sie in diesem Moment auffingen.
Anfang des Jahres musste Jessica von Bredow-Werndl ihr Pferd Diallo gehen lassen. „In dem Moment habe ich meinen Freund verloren“, sagt sie im BILD-Podcast „May Way“. „Ich habe alles infrage gestellt, ob ich das alles noch mal aushalten kann. Das war für mich der bis dahin in meinem Leben schlimmste Schmerz, den ich bis jetzt gespürt habe.“
Sie beschreibt, wie sie mit ansehen musste, wie Diallo nicht mehr aufstehen konnte. „Er konnte einfach seine linke Seite nicht mehr ansteuern. Es war schlimm, da ist man so ausgeliefert und so machtlos. Er hat am Ende losgelassen und konnte gut gehen, aber das zu begleiten, war schwer.“ Im Gespräch wird deutlich: Der Schmerz ist nicht vorbei. Auf die Frage, ob es ihr heute noch nahegeht, sagt sie nur knapp: „Ja, ja. Es ist immer noch schlimm.“
Ausgerechnet in dieser schwersten Zeit waren es die anderen Pferde, die Jessica von Bredow-Werndl Halt gaben. „Immer wenn ich im Stall war, die Pferde haben das so gespürt. Die haben mich so getröstet, das war unglaublich, da kriege ich selbst Gänsehaut, wenn ich drüber nachdenke, das war extrem. Da sieht man, wie die mitfühlen, die Tiere. Deswegen sind es so besondere Tiere wie Hunde auch, das sind einfach auch Therapeuten.“
Dass Pferde für Jessica von Bredow-Werndl mehr sind als Sportpartner, reicht bis in ihre Kindheit zurück. Als Kind war sie schüchtern: „Ich bin sehr sensibel und habe mich einfach mit den Tieren immer so sehr verbunden gefühlt. Aber in der Schule beispielsweise ein Referat halten, vor der Klasse sprechen, das war für mich ganz schwer.“ Wenn es ihr schlecht ging, suchte sie nicht die Nähe von Menschen, sondern die der Pferde. „Wenn ich auch traurig war oder irgendwie eine schlechte Note heimgebracht habe, habe ich mich sofort bei den Pferden verkrümelt. Und wenn ich geweint habe, habe ich mich in die Box gesetzt, und danach ging es mir schon besser.“
Diese enge, fast familiäre Bindung erklärt auch, warum der Verlust von Diallo sie so tief traf. „Für mich sind die Pferde wie Kinder. Die Pferde spiegeln mich, und je enger und länger ich mit Pferden zusammenarbeite, desto mehr und krasser spiegeln sie mich.“ Sei sie nicht innerlich in Balance, seien es auch ihre Pferde nicht.
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