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Politik

BSW auf Höcke-Kurs: Nun gibt es auch die AfD für Linke

FAZ Politik ·
BSW auf Höcke-Kurs: Nun gibt es auch die AfD für Linke

AfD und das BSW, die AfD für Linke, sollten sich nicht zu früh freuen. Noch ist nicht Wahltag, und noch gibt es in Thüringen eine Koalition, die ohne Björn Höcke und Sahra Wagenknecht auskommt. Wenn der Thüringer AfD-Vorsitzende dieses Bündnis als „Beutegemeinschaft“ von CDU, SPD und Landes-BSW bezeichnet, passt der Begriff wohl viel mehr auf ihn selbst und die BSW-Vorsitzende, die sich seit Tagen wahlweise zum Duell oder zur Wahl eines Ministerpräsidenten auffordern. Sie verteilen das Fell des Bären, bevor er erlegt ist.

Die Koalition in Erfurt auseinanderzutreiben, ist den beiden vorerst aber misslungen. Es gibt zwei Abweichler, aber die Regierung steht. Der Bruch der Koalition sollte die Thüringer Fanfare dafür sein, was nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im Herbst zu erwarten ist. Wagenknecht wird nicht klein beigeben. Bis zum Sonderparteitag des Thüringer Landesverbands wird sie das Thema am Köcheln halten, begleitet von ehrabschneidenden Bemerkungen aus der AfD gegen den Thüringer Ministerpräsidenten.

Auch in dieser Angelegenheit, der Aberkennung des Doktorgrads von Mario Voigt, machen AfD und BSW gemeinsame Sache. Das BSW bedient sich – warum erst jetzt? – einer Plagiatsaffäre, die von der AfD vor zwei Jahren losgetreten wurde. Voigt mag man vorwerfen, keine glückliche Figur zu machen. Er hat einen wunden Punkt. Die Art und Weise aber, wie die AfD gegen ihn agitiert und wie das BSW nun davon profitieren will, trägt Züge einer Verleumdungskampagne.

Sieht so die „Kultur“ aus, die von Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt aus das deutsche Gemüt von linksgrünen Altparteien befreien soll? Ulrich Siegmund, der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, wird nicht unbedingt begeistert sein vom Getümmel im Nachbarland. Seine Ambitionen auf das Amt des Ministerpräsidenten in Magdeburg leben schließlich davon, ganz anders zu sein als die Konkurrenz der „Kartellparteien“.

Dabei führen Höcke, Siegmund und Wagenknecht sich genau so auf, wie sie diese Parteien diffamieren: Intrigen und Machtphantasien, Heuchelei und Kungelei, Vetternwirtschaft und Postenschieberei nach Parteibuch. Sie haben zudem das Privileg, dass ihnen all das nicht schadet. Es wird ihnen nachgesehen, wie ihnen auch nachgesehen wird, die Verteidiger einer freien Ukraine als Kriegstreiber oder Rechtsterroristen als unschuldige Opfer zu bezeichnen.

Von jenseits der Brandmauer stinkt der Qualm also so sehr, dass man sie sich nicht höher wünschen könnte. Doch zum Werk von Höcke und Wagenknecht gehört es auch, dass sie das Tabu dieser Mauer gebrochen haben. Sie hatte angesichts der dauerhaften AfD-Stärke, die durch jahrelange Ausgrenzung eher noch befördert wurde, noch nie eine Zukunft. In Thüringen und Sachsen-Anhalt – andere Länder könnten folgen – droht sich diese Strategie nun gegen sich selbst zu richten. Die AfD könnte es womöglich allein machen – oder mithilfe des BSW.

Der Populismus von rechts und links hätte damit eine durchaus folgerichtige Allianz geschlossen. Ihr Erfolg beruht nicht nur auf eigener Stärke, sondern auf der Schwäche ihrer Gegner, die man im Bund besser als in den Ländern studieren kann.

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