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Putin-Angriff auf die Nato? - Finnen-Präsident widerspricht Deutschland

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Putin-Angriff auf die Nato? - Finnen-Präsident widerspricht Deutschland

Helsinki – Sein Land hat weniger Einwohner als Hessen, dennoch gilt Finnlands Präsident Alexander Stubb als Schwergewicht auf der weltpolitischen Bühne. Europäische Staatenlenker schätzen seinen strategischen Weitblick, der amerikanische Präsident spielt mit ihm gerne Golf. Doch obwohl Finnland eine 1300 Kilometer lange Grenze mit Russland teilt, fürchtet Stubb keinen Krieg mit Kreml-Diktator Wladimir Putin.

Im Interview mit BILD widerspricht Finnlands Präsident den Kriegswarnungen aus Deutschland und fordert, Moskaus hybriden Angriffen mit kühlem Kopf zu begegnen. In seiner Zielsetzung ist Stubb jedoch klar: Russland müsse besiegt werden.

Auf die Warnung aus dem Verteidigungsministerium und der Bundeswehr angesprochen, Putin könne bis 2029 in der Lage sein, Nato-Territorium anzugreifen, sagte Stubb: „Wenn jemand eine solche Kristallkugel hätte – wunderbar. Aber ich sehe dafür einfach weder Belege noch Fakten.“ Er „glaube nicht, dass Russland jemals das mächtigste Militärbündnis der Welt, die Nato, angreifen wollen würde“. Seine Philosophie erklärte er so: „Ich sage nicht: ‚Entspannt euch.‘ Man sollte sich immer auf das Schlimmste vorbereiten, um es zu verhindern.“

Stubbs Begründung: „Erstens verfüge ich über geheimdienstliche Erkenntnisse. Und zweitens haben wir eine Abschreckung – und diese Abschreckung ist stärker als die jeder anderen Militärmacht irgendwo auf der Welt.“ Sie beruhe „auf konventionellen Streitkräften, auf Raketen und auf Atomwaffen. Für keine Macht der Welt ergibt es Sinn, die Entschlossenheit dieses Bündnisses auf die Probe zu stellen“.

Finnlands Staatschef äußerte sich auch skeptisch über die Möglichkeit eines russischen Atomschlags in der Ukraine : „In diesem Sommer war der chinesische Außenminister bei mir zu Besuch, und ich habe das Thema angesprochen. Und er sagte: ‚Wir werden niemals zulassen, dass das passiert.‘ Und ich glaube, das ist eine ziemlich wirksame Abschreckung.“

Stubb erklärte, es sei das Ziel der russischen „Informationskriegsführung“, Angst in Europa zu säen: „Russland will, dass wir Europäer hier sitzen und darüber diskutieren: Wird Russland eskalieren? Wird Russland Atomwaffen einsetzen? Wird Russland die Nato und Europa angreifen?“

Tatsächlich könne Russland nur auf eine Weise den Krieg eskalieren: „Im Moment sind Russlands Möglichkeiten zur Eskalation ziemlich begrenzt. Das Einzige, womit Russland noch eskalieren kann, ist eine Mobilmachung. Und eine Mobilmachung würde, glaube ich, innenpolitische Auswirkungen in Russland haben.“

Dennoch hält Finnlands Präsident eine Mobilmachung in Russland im Herbst für wahrscheinlich: „Wenn man sich die Gesetze anschaut, die sie jetzt auf den Weg bringen – im Grunde geht es darum, die Grenzen zu schließen und die Freizügigkeit einzuschränken –, dann ist das ein Hinweis darauf. Denn die Wahrheit ist: Bei diesem Tempo können sie ihre Kriegsanstrengungen nicht mehr allzu lange aufrechterhalten.“

Alexander Stubb zufolge verliere die russische Armee monatlich zwischen 30.000 und 35.000 Soldaten. Gleichzeitig würden nur 27.000 neue Soldaten rekrutiert.

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