Notfälle: Unfall, Feuer, Blitz: Wie Kids auf Krisen vorbereitet werden
Im Raum herrscht eine wuselige Atmosphäre. Ein halbes Dutzend neugieriger Kinder rennen durch das Zimmer der Kita Hölderlinstraße in Groß-Gerau in Südhessen. Noch wissen sie nicht, was sie erwartet. Anne Muster, Erste-Hilfe-Ausbilderin beim Deutschen Roten Kreuz (DRK), kommt herein und rollt einen Wimmelbildteppich aus. Neugierig lehnen sich die Vier- bis Fünfjährigen darüber.
Muster gibt Erste-Hilfe-Kurse, die vom DRK und anderen Hilfsorganisationen angeboten werden. Sie sollen Menschen darauf vorbereiten, wie sie sich selbst, ihre Familie und ihre Nachbarschaft in Notlagen unterstützen können. Die Kurse werden für alle Generationen angeboten. Helfen können im Notfall auch schon Kinder - wenn sie wissen wie.
«Der Mann hat Aua», «Autos sind kaputt» und «Warum schreit der um Hilfe?» beschreiben die Kita-Kinder Szenen auf dem Wimmelteppich. Gemeinsam mit Anne Muster besprechen sie die Situationen und gehen mögliche Hilfestellungen durch.
Die Kinder wissen bereits, wen sie in Notfällen kontaktieren müssen. «Die Feuerwehr », «die Polizei» oder «die Erzieherin» lauten ihre Antworten. «1 Mund, 1 Nase und 2 Augen» gibt Muster den Kindern als Merksatz mit. So sollen sie sich einprägen, wie der Notruf 112 abgesetzt werden kann.
Die Kinder lernen auch, wie sie einen Verband anlegen können. Mit hellblauen Gummihandschuhen an den Händen begrüßen sie sich mit «Guten Tag». Trotz der Vorbereitung auf Krisensituationen ist die Stimmung im Raum alles andere als krisenhaft.
In Zweiergruppen üben die kleinen Kursteilnehmer, wie man einen Verband anlegt. Die Denkweise, dass das schön aussehen muss, habe sich im Laufe der Jahre verändert, erklärt Muster. Früher musste alles irgendwie perfekt aussehen und der Verband war nur toll, wenn er von links gewickelt wurde. Das sei heute nicht mehr so. Heute gelte, er muss «zweckmäßig sein, funktionieren, eine Blutung stillen und diese keimfrei abdecken», betont Muster.
Um die Kinder auf verschiedene Gefahrensituationen vorzubereiten, gibt es das Spiel «Hochwasser, Feuer, Blitz». Bei Hochwasser klettern sie, bei Blitz rollen sie sich als Päckchen zusammen und bei Feuer robben sie über den Boden. Das Programm der Erste-Hilfe-Kurse hat sich laut Muster im Laufe der Zeit weiterentwickelt. «Pflasterkleben haben wir mit Kindergartenkindern schon immer geübt», erzählt sie. Aber dass auch eine Hochwassersituation besprochen wird, sei neu.
Es gehe in den Kursen nicht nur darum, anderen zu helfen. Sie sollen auch sich selbst in Sicherheit bringen können. Das Allerwichtigste lernen die Kleinsten ebenfalls: zu trösten.
Seit über 30 Jahren bietet der DRK-Kreisverband Groß-Gerau Kurse «Erste Hilfe mit Selbstschutzinhalten» an. Die inhaltlichen Schwerpunkte variieren je nach Altersgruppe. Für Vorschulkinder und Kinder im Grundschulalter seien die Unterrichtseinheiten wesentlich kürzer. Im Zeitraum von 2021 bis heute seien über 3.000 Kinder in Erster Hilfe geschult worden.
Der Fokus liege «auf einfachen Erste-Hilfe-Maßnahmen», teilte Maike Weber vom Kreisverband mit. Dazu gehörten unter anderem das Trösten, das Absetzen eines Notrufs und der Umgang mit einfachem Verbandmaterial.
5News hat diese Zusammenfassung aus dem öffentlichen Feed der Quelle übernommen. Der vollständige Artikel mit allen Details steht auf www.zeit.de — der Inhalt gehört Die Zeit.