Nach dem Putschversuch: Wackelt Nigers Militärjunta?
Was heißt es heute, Soldat im Niger zu sein? Im Exklusivinterview mit der DW spricht Sahelexperte Dr. Abdoulaye Sunaye , Professor am Berliner Leibniz-Zentrum Moderner Orient Berlin, von einer "wachsenden Unzufriedenheit".
"Die große Mehrheit verdient nicht einmal 150 Euro im Monat und viele müssen mit diesem Monatsgehalt sechs, sieben oder mehr Angehörige versorgen. Und das trägt natürlich zu einer wachsenden Unzufriedenheit innerhalb der nigrischen Streitkräfte bei.“
Soldat im Niger zu sein bedeute außerdem, unter schwierigen Bedingungen und mit hohem persönlichem Risiko gegen Dschihadisten zu kämpfen . Zugleich unterstünden die Soldaten einer Militärführung, die selbst durch einen Putsch an die Macht gekommen sei.
An der Spitze steht General Abdourahamane Tiani, damals Chef der Präsidentengarde. Im Juli 2023 stürzte er den demokratisch gewählten Präsidenten Mohamed Bazoum und übernahm die Macht. Die Junta begründet ihre Herrschaft vor allem mit dem Kampf gegen dschihadistische Gewalt.
Der jüngste gescheiterte Aufstand in Niamey gegen die eigene Regierung am 29. August stellt dieses Versprechen infrage. Teile der Armee übernahmen zeitweise die Luftwaffenbasis 101 am internationalen Flughafen und versuchten, zum Präsidentenpalast und zum staatlichen Rundfunk vorzustoßen. Die Regierung spricht von einer "Meuterei".
Der senegalesische Governance-Experte Pape Ibrahima Kane sagte im DW-Exklusivinterview: "Das war nicht nur eine Meuterei, sondern ein versuchter Putsch. Wenn das kein versuchter Staatsstreich sein soll, wie soll denn ein versuchter Staatsstreich sonst aussehen?"
Nigers Militär kämpft seit Jahren gegen dschihadistische Gruppen, ohne die Gewalt entscheidend einzudämmen . Auch die Hauptstadt Niamey wurde in diesem Jahr mehrfach angegriffen.
Experte Kane beschreibt die Probleme der Armee: Sie habe Schwierigkeiten, Truppen und Material in dem riesigen Land zu bewegen. Für die Soldaten bedeute das hohe Risiken – bei zugleich erheblichen Problemen bei Ausstattung, Versorgung und Logistik.
Hinzu kommt offenbar Frust über Bezahlung und mangelnde Wertschätzung. Der Sahel-Experte Mamadou Mouth Bane sieht einen möglichen Auslöser des Aufstands in der Bevorzugung der Präsidentengarde gegenüber den Streitkräften und ihren Einheiten an der Front.
"Die Männer, die an der Front sind, werden vernachlässigt. Sie fühlen sich vergessen und schlechter behandelt", sagte Bane im DW-Interview.
Die wachsende Unzufriedenheit in den Streitkräften zeige das zentrale Dilemma der Junta im Niger : Sie brauche eine besonders loyale Truppe zum Schutz ihrer Macht, dürfe aber den Rückhalt der regulären Armee nicht verlieren.
Besonders brisant ist die Rolle des russischen Afrikakorps . Die Formation übernahm einen großen Teil der früheren Aktivitäten der Wagner-Gruppe in Afrika .
Nach dem gescheiterten Aufstand von Wagner -Chef Jewgeni Prigoschin gegen den Kreml und seinem Tod im August 2023 wurden die russischen Afrika-Strukturen neu organisiert und stärker dem Verteidigungsministerium unterstellt.
In Niger ist das Afrikakorps inzwischen ein wichtiger Sicherheitspartner der Junta.
5News hat diese Zusammenfassung aus dem öffentlichen Feed der Quelle übernommen. Der vollständige Artikel mit allen Details steht auf www.dw.com — der Inhalt gehört Deutsche Welle.