Was treiben die Wizards denn da?: Der peinlichste Klub der Liga macht großspurige Ansage
"Immer, wenn es nach D.C. ging oder es hieß, die Wizards sind zu Gast, blieben Spieler ein bisschen länger wach, nahmen das Spiel nicht ganz so ernst", gibt Anthony Davis zu. "AD" wurde 2020 NBA-Champion mit den Los Angeles Lakers, ins #NBA75 Jubiläumsteam gewählt, im Tausch für Gigant Luka Doncic nach Dallas verfrachtet - und landete im Februar in einem Blockbuster-Trade zwischen ebenjenen Dallas Mavericks, den Charlotte Hornets und den Washington Wizards... in Washington.
Ausgerechnet in Washington. Dem Niemandsland der Liga. "Ein bisschen untröstlich" schrieb Davis damals in seiner seither gelöschten Instagram-Story. Auf sein Debüt im Wizards-Trikot wartet Davis weiterhin, der Klub ließ ihn im Frühjahr mehr als bereitwillig eine chronische Verletzung auskurieren. Auf Kosten des Hauses, versteht sich.
Auf jenen sitzt - mit vier Millionen US-Dollar pro Jahr - auch Brian Keefe. Keefe ist 1976 geboren und Washingtons Head Coach. Er arbeitet seit 20 Jahren in der NBA, assistierte einst Gregg Popovich in San Antonio (wo er 2007 die Meisterschaft gewann), lernte unter Phil Jackson und Sam Presti, betreute Defensiven bei den Lakers, den OKC Thunder und den Brooklyn Nets, ehe er 2023 in die Hauptstadt wechselte. Dort wurde er vor knapp drei Jahren Chef. Erst nur als Interim, dann fix. Er spricht gerne von "Angewohnheiten, Zusammenhalt, Kultur." Von den bisher 173 Head Coaches mit mindestens 200 Einsätzen in der NBA-Historie weist niemand eine schlechtere Bilanz vor als Keefe, der im Schnitt mehr als drei von vier Partien als Verlierer verlassen hat (43:160).
Dass Keefe bisher nicht, wie üblich im Business, gefeuert wurde, liegt an der Richtung des Klubs aus D.C., dem sportlich erfolglosesten der vergangenen knapp 50 Jahre. Seit 1979-80 hat kein anderes Team mehr Niederlagen kassiert als Washingtons - 2224 sind es. Das Ausmaß dieser Erfolgslosigkeit: eklatant. Die Folgen: Frust, Spott und die immergleiche Vexierfrage, was denn jetzt eigentlich der Plan sei. "Sie haben viel verloren und sie haben das Verlieren satt", sagt All-Star-Point-Guard Trae Young, dessen Karriere nach siebeneinhalb erfolgreichen Jahren in Atlanta ins Stocken geraten ist. Und der wie Davis - ebenfalls im Winter, ebenfalls via Trade - in Washington landete. "Die Leute können über uns lachen. Ich glaube aber nicht, dass sie in Zukunft weiter über uns lachen werden."
Seit Ende der 1970er Jahre scheint dieser Klub vom Pech und Unvermögen verfolgt zu sein. In den Siebzigern erreichten die Bullets, wie sie damals noch hießen, angeführt von den späteren Hall of Famern Wes Unseld, Elvin Hayes und später Bobby Dandridge, drei Mal das NBA-Finale (1975, 1978, 1979) und krönten sich 1978 zum Champion. Seit 1979 hat das Team nie wieder 50 Siege oder gar die Conference Finals erreicht. Es ist die längste Dürreperiode aller Franchises in der NBA. Mehr als (fünf Mal) Runde zwei war nicht drin. In 47 Jahren.
1997 beschloss Besitzer Abe Pollin, den Teamnamen zu ändern, weil ihm "Bullets" angesichts der Waffenkriminalität in der Hauptstadt als zu kontrovers erschien.
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