Spielemesse Gamescom: Der Elefant im Raum heißt KI
Mit großen Augen tritt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf zwei Cosplayerinnen. Sie verkleiden sich in aufwendigen Kostümen, designt nach den fiktiven Helden aus ihren Lieblingsspielen. Es ist der erste Besuch eines Bundespräsidenten auf der Gamescom in Köln überhaupt. Steinmeier lacht herzlich mit den Cosplayerinnen, ehe er am Stand von Nintendo einen Controller in die Hand nimmt und in ein Abenteuer in dem Bewegungs-Multiplayer „Wii Sports“ eintaucht. Zuvor hatte Steinmeier (SPD) ein Geständnis abgelegt: „Ich bin kein Gamer.“
Dann räumt das Staatsoberhaupt mit ein paar Klischees auf. „Das Bild vom nerdigen Teenager, der mit Junkfood in der Bude hockt, wird den Gamern gar nicht mehr gerecht“, sagt Steinmeier . Er gesteht ein, dass es auch „unter Gamern Rassismus und Sexismus gibt“, doch Spiele seien „Kulturgut“. „Sie verbinden Jung und Alt in Bild und Ton; und in Dramaturgie und Botschaften.“ Und so steht er vor den Cosplayerinnen, die zumindest optisch das taten, wozu Steinmeier appelliert. „Lassen Sie uns die Kräfte aus Spielen in die reale Welt holen – ins Ehrenamt und in demokratische Parteien.“
Noch deutlicher wird gar der Geschäftsführer des Branchenverbandes Game, Felix Falk: „Wer die Demokratie bekämpft, wie die AfD es tut, ist auf der Gamescom nicht willkommen!“
Für den Branchenfachmann ist es „ein wichtiges Signal für die Kreativbranche“, dass der Bundespräsident erstmals die Messe besucht. 2017 hatte die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihre Premiere auf dem Event. Kurz darauf begann ein Förderprogramm des Bundes, der einzelne Projekte von Entwicklern über einen Fonds subventioniert.
Falk fordert seit Jahren eine Steuerförderung als Anreiz für große Studios, Standorte in Deutschland zu eröffnen. Als Argument führt die Branche an, dass sie Entwicklungen, etwa die von Künstlicher Intelligenz (KI), fördern. Doch die Steuerförderung wird vorerst nicht kommen, wie Bundesfinanzminister Lars Klingbeil ( SPD ) in einer Rede auf der Gamescom herausstellt. Die schwarz-rote Bundesregierung hatte 2025 im Koalitionsvertrag ihr Vorhaben bekundet, den Game-Standort Deutschland durch steuerliche Anreize zu fördern. Für kleine Entwickler sei die bisherige Förderung ein guter Startschuss, erläuterte Falk jüngst im Gespräch mit der F.A.Z. und schlägt ein doppeltes Modell aus Subventionen und Steuerförderung vor. Seiner Idee nach sollen so kleine und große Titel profitieren.
Von den kleinen Studios stellen jede Menge auf der Gamescom aus – eine eigene Halle haben die sogenannten Indie-Games inzwischen. Indie steht dabei für Independent, also unabhängig. Entwicklerteams von einer Handvoll Leuten setzen ihre Spielidee um, auch als Gegenentwurf zu den großen Titeln. Für sie könnte KI ein Werkzeug sein. Denn genauso wie KI Geschichten für Bücher, Musik oder Filme erschaffen kann, kann sie auch ganze Welten in Spielen generieren. Und auch die Interaktion mit sogenannten NPCs, also vom Spiel automatisch gesteuerten Charakteren, kann natürlicher wirken. In den bisherigen Spielklassikern sind Gesprächsbäume vorprogrammiert, und je nach Aktion des Spielers reagiert der Charakter. Das könnte KI übernehmen.
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